Das Corgi-Protokoll

ARCHIV - Die britische Königin Elizabeth II. streichelt am 20.5.1998 einen ihrer Corgi-Hunde. Foto: EPA/dpa (zu dpa Themenpaket "Das Queen-ABC" vom 10.06.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Freunde für's Leben: Königin Elisabeth II. streichelt einen ihrer geliebten Corgi-Hunde (Fotocredit: EPA/ dpa - Bildfunk).

Dass die Queen Corgi-verrückt ist, wußte man ja schon länger, doch jetzt hat der königliche Hundetrainer und Tiertherapeut Roger Mugford in einer britischen Zeitschrift private Details aus der Windsor-Hundeschule ausgeplaudert.

Offensichtlich müssen sich die königlichen Köche nicht nur die Mühe machen, täglich für ihre Chefin sowie einzelne Mitglieder der Royal Family Menüs nach deren Vorlieben zusammenzustellen, sondern auch die kurzbeinigen Lieblinge der Königin erhalten einzeln für sie komponierte Menüs. Sie bestehen meist aus frisch zubereiteten Rinderfilet- oder Hühnerbruststückchen mit hausgemachter Fleischsauce, und darüber werden zerkrümelte Brötchen gestreut.

Zur (Fr)Essenszeit läßt die Queen Holly und Willow (reinrassige Corgis) sowie Candy und Vulcan (Dorgis, Nachkommen eines Seitensprungs mit Prinzessin Margarets Dachshund Pipkin) im Halbkreis um sich herum antreten. Dann nimmt sie von einem Butler das vorbereitete und in Silber- und Porzellanschüsseln angerichtete Mahl zur Hand und verfüttert es streng nach dem protokollarischen Senioritätsprinzip an ihre Hunde: der älteste zuerst.

Aus einer Anekdote, die Enkel Prinz William gerne erzählt, weiß man, dass die Hunde der Queen ausgezeichnet erzogen sind und auf's Wort gehorchen: in dem berühmten Video zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London 2012 performten sie auf Anhieb perfekt: sie brauchten keine Wiederholung der Szene, anders als die Doubles, professionelle Filmhunde, die in der Szene direkt am Hubschrauber zu sehen sind.

Und Frauchen nimmt auch sonst große Rücksicht auf das Wohl ihrer kleinen Hausgenossen: erwischt sie die Küche dabei, dass eine Mahlzeit nicht frisch gekocht sondern Eingefrorenes aufgetaut wurde, geht der Silbernapf zurück und das Küchenpersonal erhält einen strengen Verweis. Nicht besser erging es übrigens schon hochrangigen Besuchern wie dem verstorbenen amerikanischen Präsidenten Johnson, als er einmal bei einem Staatsbesuch einen Corgi am Ohr zog.

Die Hunde dürfen überall dabei sein, wenn die Königin sich in einer ihrer Residenzen bewegt, oft sogar, wenn offizielle Gäste anwesend sind. Sogar zur Anprobe für neue Kleider sind sie als Zuschauer zugelassen, und zum Schutz der sensiblen Pfoten trägt Elisabeth II. dann immer einen Magneten bei sich, damit keine heruntergefallenen Stecknadeln übersehen werden.

Die langjährige und geliebte Tradition nahm 1944 ihren Anfang: zu ihrem 18. Geburtstag erhielt die damalige Prinzessin Elisabeth von ihrem Vater George VI. Susan geschenkt, die erste Vertreterin der Rasse im britischen Königshaus, im Laufe der Jahre folgten ihr mehr als 30 weitere. Kürzlich traf die Königin nun die für sie sicher harte Entscheidung, künftig beim Tod eines ihrer Lieblinge keinen Nachwuchs mehr anzuschaffen. Im April wird sie 90 Jahre alt, die Gefahr eines Stolperns über eine Hundeleine oder die kleinen, wuseligen Tiere selbst wird immer größer und die Folgen eines möglichen Sturzes immer ernster.

Dazu kommt, dass in der jüngeren Generation der Royal Family keiner so recht Begeisterung gezeigt hat bei dem Ansinnen, nach einem eventuellen Ableben der Königin den Corgis ein neues Heim zu geben. So werden Holly und ihre Genossen nun zusammen mit ihrer Herrin alt, ohne weitere Gesellschaft zu bekommen. Bestattet werden sie dereinst allerdings nicht in der Nähe der königlichen Grabstätte in der St. George’s Chapel in Windsor Castle, sondern auf dem Gelände von Balmoral in Schottland, wo es ein Grabgelände für alle königlichen Hunde gibt – und wo alle royalen Vierbeiner selbstverständlich streng nach dem Senioritätsprinzip feierlich bestattet werden.

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