William, der unwillige Prinz

FILE - epa04643975 Britain's Prince William, Duke of Cambridge poses after painting the eye of 'shaun the sheep' at the British Ambassador's official residence in Beijing, China, 02 March 2015. EPA/FRED DUFOUR/POOL (zu dpa «Prinz William empfängt Wildtier-Schützer im Palast» vom 24.11.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Der Herzog von Cambridge und seine Familie gehörten bisher immer zu den beliebtesten Mitgliedern der britischen Königsfamilie. Zur Zeit machen Prinz William und seine Frau Kate eher Negativschlagzeilen (Fotocredit: dpa - Bildfunk).

Kaum hatte der Herzog von Cambridge seinen ersten öffentlichen Auftritt in diesem Jahr am vergangen Dienstag absolviert, hagelte es Kritik von allen Seiten: er hätte mit seiner Rede vor Diplomaten im Britischen Auswärtigen Amt eine deutliche Empfehlung für die Briten ausgesprochen, sich bei dem im Sommer anstehenden Referendum über einen möglichen EU-Austritt Großbritanniens („Brexit“) doch bitte für Europa zu entscheiden. Keine politischen Äußerungen von Mitgliedern der Königlichen Familie, sagt die Verfassung!

Bei genauer Lektüre seiner Rede muss man allerdings eine Weile suchen, bevor man zwei, drei Halbsätze findet, die mit einer ordentlichen Portion Phantasie so interpretiert werden könnten. „Eine Zusammenarbeit verschiedener Nationen miteinander war schon immer einer der Grundpfeiler von Sicherheit und Wohlstand“ – das ist eine Binsenwahrheit, die sich auf das Commonwealth , die UN und /oder auf die EU beziehen kann, und die anderen kritisch beäugen Sätze sind auch nicht konkreter. Und wahrscheinlich ist es auch nicht, dass Prinz William (bzw. sein Presseteam, das die Rede für ihn geschrieben hat) so unvorsichtig wäre, politische Meinungen offen oder auch nur verklausuliert zu äußern.

War doch die Queen im Herbst 2014, als das Referendum über den Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich anstand, schon beinahe zu weit gegangen mit ihrer Bemerkung gegenüber einem Royal Fan, die Schotten sollten sich besser gut überlegen, wie sie sich entscheiden. Damals war die Aufregung groß, es hieß, die Monarchin habe ihre Pflicht zu politischer Neutralität verletzt. Wie groß der Einfluss dieser einen königlichen Nebenbemerkung war, ist schwer abzuschätzen, die Schotten machten sich jedenfalls nicht selbstständig. Aber die Gefahr, dass allzu viele wahlberechtigte Briten sich von Williams Aussagen beim Gang zur Referendums-Wahlurne beeinflussen lassen werden, ist sicher nicht besonders groß.

Bei William und auch seiner Frau scheint es gerade eher ein ganz anderes Problem zu geben: die britische Presse ist auf Krawall gebürstet und nutzt beinahe jede Gelegenheit zum „Cambridge-Bashing“, weil das bisher so beliebte junge Paar sich seit Sommer letzten Jahres hinter die hohen Mauern seines teuer renovierten Landsitzes Anmer Hall bei Sandringham zurückzieht. Selten nimmt es Repräsentationspflichten in London oder anderen Landesteilen wahr, sondern zieht offensichtlich das Leben von landadeligen Privatleuten mit geregeltem Alltag und Dinnerparties oder Jagdgesellschaften am Wochenende vor.

Die Öffentlichkeit giert geradezu nach neuen Bilder vor allem von den süßen Kleinen, Prinz George und Prinzessin Charlotte, doch gerade die werden konsequent von ihren Eltern vor Kameralinsen in Sicherheit gebracht. Ab und an postet die Pressestelle des Herzogspaares einige ausgewählte Bilder, meist von Opa Middleton oder Kate selbst aufgenommen – bloß keine Fotografen im Haus! Gibt es doch einmal einen „Abschuß“, zum Beispiel von der Herzogin mit George auf einem Ausflug, setzt es sofort einen Beschwerdebrief der Pressestelle an die Zeitungsverleger, wie zuletzt im August letztes Jahr, in dem von Stalking die Rede ist.

Bei allem Verständnis dafür, dass der Prinz schon in seiner Kindheit übermäßig oft und heftig mit Horden von Fotografen konfrontiert wurde, und er der Zunft zumindest eine Mitschuld am Tod seiner Mutter, der Prinzessin von Wales, gibt, müsste ihm eigentlich bewußt sein, dass seine privilegierte Stellung auch Pflichten mit sich bringt. Und dazu gehört es eindeutig, regelmäßig Termine wahrzunehmen und sich und seine Familie der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Es ist schon mehr als peinlich , daß sein 94-jähriger Großvater Prinz Philip im letzten Jahr 250 Termine absolvierte (davon sogar 33 im Ausland), und seine noch lange nicht amtsmüde, demnächst 90-jährige Großmutter, die Queen, es auf stattliche 341 Repräsentationspflichten brachte, während er nur 122 Auftritte vorweisen kann. Er übt zwar seinen Beruf als Rettungshubschrauberpilot im Schichtdienst aus, drückt sich aber gerne mal um Feiertagsdienste, wie man von seinen Kameraden hören kann.

Keine gute Arbeitseinstellung - Adel verpflichtet! Das hat er eigentlich mal von seiner Granny gelernt, es wird Zeit, dass er sich daran erinnert ...

 

3 Kommentare zu “William, der unwillige Prinz
  1. Ein Kommentar aus der sehr unreflektierten Sicht eines Pressevertreters. Und da wundert sich die Medienzunft, warum sie in letzter Zeit so ein geringes Ansehen in der Öffentlichkeit genießen darf.

  2. Eine Großmutter hat Repräsentationspflichten als Königin. Als Familienvater muss man erst einmal „Papi“ und Partner sein. Dass daneben auch noch Repräsentationspflichten kommen ist klar. Und: Auch in jeder jungen Familie ohne Adelstitel stellen wir fest, dass sie vermeiden, Sonntags und Feiertags zu arbeiten und lieber in der Familie sind. Wer will es ihnen verübeln? Die Zeiten werden sich für sie sicher wieder ändern. Aber jetzt ist erst einmal die Familie dran. Wie umgekehrt würde „die Presse“ reagieren, wenn der Prinz sich nicht um seine Familie kümmert und statt dessen um die Welt (oder um die Insel) jettet und sein Königshaus repräsentiert? Dann würde die Presse sicher auch nicht mit diesem Verhalten zufrieden sein. Ich empfehle also ein bisschen mehr Gelassenheit. Und: FAMILIE heisst auf englisch: FAMILY. Das sind erst einmal: Mama, Papa und „Titti“, wie man hierzulande sagen würde.

  3. Das ist ja nicht zu glauben. Da will die für ihre Sensationsgier und Auswüchse bekannte Yellow Press in England das junge Paar unter Druck setzen und ein deutsches Magazin, das sich als kritisches Qualitätsmagazin versteht, bläst ins gleiche Horn. Das passt nicht zum Stern.

    Das Wohl der Kinder sollte auch bei Royals heutzutage an der Spitze stehen. Und: Neben einem Job als Hubschrauberpilot pro Jahr 122 öffentliche Auftritte hinzulegen, das soll doch der Schreiber erst mal nachmachen. Dieser Artikel stellt auch die deutsche Presse mal wieder in ein schlechtes Licht. Und dass eine moderne Mutter etwas von ihren beiden kleinen Kindern haben möchte, bzw. selbst für sie da sein will und nicht alles dem Kindermädchen überlassen will, versteht sich von selbst. Pfui!

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