Mein Partner sucht erotische Abenteuer mit anderen Frauen

Sehr geehrte Frau Peirano,

seit 3 Jahren bin ich mit meinem Partner zusammen. Wir haben uns kennengelernt nachdem ich 2 Jahre zuvor meinen Ehemann an Krebs verloren hatte und als alleinerziehende Mutter wieder die ‚Frau‘ in mir entdecken wollte. Unsere Beziehung stand anfangs vor allem unter dem Stern des Vergnügens. Ich wollte wieder das Leben genießen und nicht an morgen denken. Am Anfang unserer Beziehung hat mein Freund klargestellt, dass er seinen Freiraum benötigt. Zu dem Zeitpunkt hat er sich auch mit anderen Frauen getroffen und das habe ich toleriert und akzeptiert. Er hat auch einige Frauen in seinem Freundeskreis, die er regelmäßig trifft und mit ihnen abends weggeht.

Nach einiger Zeit wurden die Gefühle auf beiden Seiten tiefer und nach anderthalb Jahren zog mein Freund zu mir und meiner Tochter in die Wohnung. Seitdem leben wir als Familie zusammen. Er hat mir erklärt, dass er noch nie eine Frau wie mich an seiner Seite hatte und dass er gerne die Vaterrolle für meine Tochter übernehmen möchte. Außerdem versprach er mir treu zu sein. Treue bedeutet für mich, dass man mit keinem anderen Menschen schläft und auch keine anderen sexuellen Praktiken ausübt. Das habe ich ihm auch gesagt. Mir ist klar, dass das Leben manchmal Gelegenheiten bietet, denen vor allem Männer nicht widerstehen können. Daher habe ich meinem Freund gesagt, dass wir offen über Wünsche reden sollten und wenn es zum Äußersten kommen sollte, ich mir wünsche Bescheid zu wissen.

Seit diesem Zeitpunkt haben sich für mich die Regeln geändert, aber wie ich erfahren musste, hat er seine Regeln nicht verändert. Er trifft sich weiterhin mit seinen Freundinnen und wir haben abgemacht, dass das in Ordnung geht, sofern ich sie kennenlernen darf. Freundschaft kann ich tolerieren, auch wenn es sich schon seltsam anfühlt, wenn ich alleine auf dem Sofa sitze (wg. Kind zu Hause bleiben muss) und er bis spät in die Nacht mit Bekannten ausgeht.
Er gewährt mir dieselbe Freiheit, allerdings habe ich keine männlichen Freunde. Ich gehe also auch ab und zu mit meinen Freundinnen aus und er passt dann aufs Kind auf.

Nun hatte ich in zwei Fällen ein seltsames Bauchgefühl und hatte die Befürchtung, dass bei diesen Frauen mehr als Freundschaft dahinter steckt. In beiden Fällen habe ich durch seine Nachlässigkeit (Hotelrechnung im Altpapier entsorgt, am gemeinsamen Rechner Hotel gebucht) von seinem Stelldichein mit einer anderen Frau erfahren. Es war in beiden Fällen keine Übernachtung, sondern ‚nur‘ stundenweise am Nachmittag. Dennoch ist klar, dass in dieser Zeit alles passiert sein könnte.

Ich habe ihn zur Rede gestellt und er hat in beiden Fällen zugegeben, die Frauen massiert zu haben. Sowohl beim ersten als auch beim zweiten Mal hat er mir gesagt, dass es nicht wieder vorkommt. Bevor ich ihm die Beweise vorgelegt habe, hat er alles geleugnet und mich als übereifersüchtige Frau dargestellt, die ein Problem mit sich selbst hat. Mein Vertrauen in ihn ist erschüttert. Mein Herz schmerzt und ich bin sehr traurig. Diese beiden Fälle lagen nur 4 Monate auseinander und nach dem ersten ‚Fall‘ hat er mir einen Heiratsantrag gemacht, um mir zu verdeutlichen, dass er nur mich liebt und neben mir keine andere Frau eine Chance hat.

Wir erleben viele schöne Momente zusammen und er ist ein toller ‚Ersatzpapa‘ für meine Tochter. Mir ist unser gemeinsames Leben sehr wichtig und in allen anderen Punkten passen wir wunderbar zusammen. Daher habe ich mich entschieden unserer Beziehung nicht zu beenden sondern daran zu arbeiten. Er sagt ihm fehlt nichts in unserer Beziehung und auch unsere Sexualität lässt bei ihm keine Wünsche offen. Ich bin durchaus freizügig und bin auch nicht abgeneigt neues zu probieren. Mein Ego hat sehr damit zu kämpfen, dass ich mir mehr Sex wünsche als er mir geben kann. Wir schlafen alle 1-2 Wochen miteinander, denn er hat nicht öfter Lust. Und dann werde ich von ihm betrogen – denn so fühlt es sich für mich an. Es ist ja nicht einmal so, dass er einen One-Night-Stand mit einer X-beliebigen Person hat. Er plant diese ‚Ausflüge‘ mit Frauen, die er gut kennt und die er als Freundinnen bezeichnet. Er hat mir erklärt, dass es sein Ego ist, dass diese Bestätigung von anderen Frauen benötigt und sein Selbstwertgefühl so steigt.

Wie kann ich mein Vertrauen in Ihn wieder gewinnen? Zur Zeit würde ich am liebsten sein Handy durchsuchen und jeden seiner Schritte verfolgen. Aber das ist keine Lösung und auch kein Leben. Mein Selbstwertgefühl liegt am Boden, dabei bin ich so eine tolle Frau!
Kann ich von ihm eine Therapie verlangen? Er sagt das Problem sei er und nicht ich. Ist eine Paartherapie da überhaupt sinnvoll?

Danke im voraus!

LG
Jenny I.

Liebe Jenny I.,
es hört sich für mich so an, als wenn Ihr Partner in vielen Punkten sehr gut zu Ihnen passt, aber in einem nicht oder nicht mehr: Seine Auffassung von Treue ist eine andere als Ihre. Als Sie sich kennen gelernt haben, ging es Ihnen beiden um Vergnügen und jeder hatte seinen Freiraum. Er konnte sich mit anderen Frauen treffen (und mit ihnen alles mögliche machen) und Sie waren damit einverstanden.
Ich denke, dass Ihr Partner in genau diesem Partnerschaftsmodell geblieben ist. Für ihn ist es ein tiefes Bedürfnis, neben einer festen Beziehung mit Ihnen noch erotische Begegnungen mit anderen Frauen zu haben. Er kann das nicht aufgeben und geht lieber in die Heimlichkeit, um Ihnen gegenüber keine Rechenschaft ablegen zu müssen.
Sie hingegen haben sich verändert. Mit der festeren Verbindung und tieferen Partnerschaft kam in Ihnen der Wunsch nach Treue und Exklusivität. Ihr Partner hat mit seinem Verhalten klar gezeigt, dass er damit nicht einverstanden ist. Er trifft seine Freundinnen im Hotel, scheint diese Treffen zu seiner Bestätigung zu brauchen und konnte damit auch nicht aufhören, als er merkt, wie verletzt Sie darüber sind.
Ich befürchte, dass Sie mit Ihrem Partner keine klassisch monogame Beziehung nach Ihren Vorstellung werden leben können. Es würde immer wieder zu Enttäuschungen und Vertrauensbrüchen kommen. Und wie Sie selbst sagen: Kontrolle ist keine gute Lösung, sondern reibt Sie nur auf, zerstört das Vertrauen und führt zu noch mehr Heimlichkeiten. Wenn Sie an der jetzigen Partnerschaft festhalten wollen, empfehle ich Ihnen, der Realität ins Auge zu sehen und nicht den Partner zu wechseln, sondern über ein neues Beziehungsmodell nachzudenken.
Als Einstieg empfehle ich Ihnen das Buch: "Treue ist auch keine Lösung. Ein Plädoyer für mehr Freiheit in der Liebe " von Hoger Lendt und Lisa Fischbach. Die beiden Psychologen kommen zu der Erkenntnis, dass viele Paare mit der Forderung nach unzerbrüchlicher Treue an ihren Bedürfnissen vorbei leben und in vielen Fällen eine ehrliche Unterhaltung über die Bedürfnisse nach sexuellen oder erotischen Begegnungen mit anderen Partnern angebracht wäre.
Bei Ihnen und Ihrem Partner klingt es so, als wenn Sie beide von einer Öffnung der Beziehung profitieren könnten. Ihr Partner lebt dieses Modell sowieso schon heimlich und ihm scheint in einer exklusiven Beziehung etwas Wichtiges zu fehlen.
Sie selbst schreiben, dass Sie recht freizügig und experimentierfreudig sind und gerade nicht genug Sex mit Ihrem Partner haben. Vielleicht könnten auch Sie in anderen Beziehungen Dinge ausleben, die Sie in Ihrer Partnerschaft nicht bekommen.
Zudem wäre es kein Vertrauensbruch mehr, wenn Sie beide sich gegenseitig diese Freiräume einräumen und Spielregeln festlegen. Wichtig wäre, dass Sie genau vereinbaren, ob und wie Sie über die Außenbeziehungen sprechen. Bei vielen Paaren, die eine offene Beziehung führen, ist der ehrliche Austausch darüber die wichtigste Voraussetzung!
Ich empfehle Ihnen, sich in diese Richtung vorzutasten und selbst zu entscheiden, ob das etwas für Sie beide sein könnte.
Und noch etwas: Der Heiratsantrag scheint zu diesem Zeitpunkt etwas unpassend und überstürzt zu sein, da Sie gerade ein grundlegendes Problem haben. Ich würde mit der Hochzeit warten, bis Ihre Probleme geklärt sind.
Alles Gute für Sie!
Ihre Julia Peirano

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Herzliche Grüße
Julia Peirano

20 Kommentare zu “Mein Partner sucht erotische Abenteuer mit anderen Frauen
  1. @ Thorsten

    Vielleicht solltest Du mal unter „Prägung Verhaltensforschung Wikipedia“ googeln? Dort insbesondere unter „Sexuelle Prägung“?

    Ich will deine persönlichen Erfahrungen, in keiner Weise in Abrede stellen, auch wenn mir Vergleichbares nicht bekannt ist. (Auch nicht aus der Literatur) Wir haben hier aber ein Thema und eine junge Dame, vorgegeben, zu dem (der) wir Stellung nehmen sollten. Und, wenn es dort heißt:

    ZITAT
    „Treue bedeutet für mich, dass man mit keinem anderen Menschen schläft und auch keine anderen sexuellen Praktiken ausübt.“ ZITATENDE

    Dann geht für mich, klar daraus hervor, das es für die junge Dame, undenkbar ist, das Dritte, bei dieser Partnerschaft, sexuell mitmachen. Und das ist für mich, ein eindeutiges Resultat aus ihrer sexuellen Prägung. Insbesondere, macht mich stutzig, das sie noch nichtmal:

    ZITAT
    keine anderen sexuellen Praktiken ZITATENDE

    zulassen kann. Wer so sehr auf absolute „Treue“ und Monogamie fixiert ist, dürfte kaum in der Lage sein, den freien Partnertausch zu praktizieren oder akzeptieren. (zähneknirschende Toleranz kann sie anbieten:

    ZITAT
    „Mir ist klar, dass das Leben manchmal Gelegenheiten bietet, denen vor allem Männer nicht widerstehen können. ZITATENDE)

    Natürlich, kann Prägung den Menschen nicht sexuell auf den Kopf stellen. Angeborene Neigungen, können auch nicht durch Prägung umgepolt werden. Es ist aber durchaus möglich, Gefühle, innerhalb der angeborenen Neigung, zu verschieben, oder sogar vom Schwerpunkt her, völlig anders zu platzieren.

    Die junge Dame, möge mir verzeihen, wenn ich jetzt hier, solche Spekulationen mache. Aber, es ist durchaus aus der Soziologie her bekannt, das man seine Neigung, zwar nicht auf den Kopf stellen kann, aber mit gezielter Prägung, durchaus erreichen kann, das bestimmte Praktiken, innerhalb der Neigung, z.B. als angenehm oder abstoßend empfunden werden können.

    Wenn also vor der Prägungsgrenze, beim Menschen, -Mehrfachbeteiligungen beim Sex-, oder -Austausch der Partner-, als angenehm und wünschenswert verankert wird, dann ist dieser Mensch, nach der sexuellen Mündigkeit, durchaus in der Lage, solche Dinge, als angenehm und wünschenswert, zu empfinden. Umgekehrt, und das scheint bei unserem Thema hier, der Fall zu sein, ist es genauso.

    Ob es hier Lösungsmöglichkeiten gibt, kann ich nicht sagen. Mir sind aus der Literatur, keine bekannt. Ausschließen, will ich es aber nicht. Vielleicht, kann man hier mit Medikamenten oder Drogen, „Erfolge“ erzielen? Die aber dann von fragwürdigem Charakter sein dürften.

    • Von „freiem Partnertausch“ oder Swingerclubs ist ja nun in der Antwort auch nirgendwo die Rede.

    • Und so ganz nebenbei: Man kann auch auf eine Antwort antworten. Man muss nicht jedes mal einen neuen Kommentar aufmachen. Das würde das ganze schon etwas leserlicher machen…

  2. Herzergreifender ARtikel! Kann mich den Kommentatoren hier nur anschließen. Alles erdenklich gute auch von meiner Seite! LG Marlies :-)

  3. Hallo Thorsten!

    Ich kann dich sehr gut verstehen, aber ich fürchte, Du machst die Rechnung ohne den Wirt. Die sexuelle Prägungsgrenze, liegt um den 8. Geburtstag. Das heißt, alles was ein Kind, bis zur Prägungsgrenze, in der Sexualität nicht erlebt hat, oder erfahren hat, kann kaum noch in das Gefühlsleben des Kindes oder späteren Erwachsenen, eingebracht werden.

    Wenn man also einem Kind, bis zum 8. Geburtstag eintrichtert, das alle Männer Schweine sind, das Sex, und sexuelle Gefühle, insbesondere wenn es im Zusammenhang mit Kindern geschieht, ein Verbrechen ist, Sex nur erlaubt ist, wenn man eine Ehe eingegangen ist, und Liebe anhält, bis der Tod einen scheidet, dann darf man sich nicht wundern, wenn Frauen dabei rauskommen, so wie hier geschildert.

    Ja, an Gefühlen, kann man arbeiten. Wer wollte das bestreiten? Die Frage ist nur, wie groß der Erfolg ist. Ich z.B. arbeite seit 50 Jahren daran, mich davon zu überzeugen, das Masturbation etwas völlig Normales, Sinnvolles und Harmloses ist. Es gibt Erfolge, unbestritten. Die sind aber mäßig.

    Wie sollte das denn bei der Dame laufen? Sie möchte gerne mit dem Mann Sex haben, mit dem sie seit 3 Jahren zusammen ist. Mit einem anderen Mann, würde sie, selbst wenn sie es sich wünschen würde, niemals Sex machen können. So ist sie geprägt worden. Ich stelle mir gerade vor, wenn diese Frau, zu einem Schwingerclub gehen sollte. Wahrscheinlich brauchte sie 3 Beruhigungsspritzen, und 100 Gramm Alkohol. Beim Sex im Club, wenn es dazu käme, würde sie wahrscheinlich in Tränen ausbrechen. Desweiteren, wäre es fraglich, ob der Schwingerclub, für den Mann, in Frage käme.

    Ein anderer Partner, wäre für die Frau, zur Zeit, wohl völlig undenkbar. Sowas hat es in ihrer Erziehung nie gegeben. Wenn überhaupt, hätte sie damit anfangen müssen, als sie noch über alle Ohren verliebt war.

    Die sexuellen Gefühle sind bei der Dame erkaltet. Das ist nichts besonderes, und kann von Fachleuten, heute gemessen werden. Auch der Sex, ist nicht mehr der, wie am Anfang der Beziehung. Viele Sachen, die sie ihrem Partner zuliebe gemacht hat, werden heute abgelehnt.

    Auch die Einmal in 1-2 Wochen, sind mit Vorsicht zu genießen. Aus Erfahrung, weis ich, das es dann, nur noch 1 mal im Monat ist. Gerade dabei, wird gerne „geschummelt“. Und, es ist zu befürchten, das dieser Sex, noch weiter sinken würde, wenn der Partner tatsächlich „Treu“ würde. Nach 10 Jahren, ist sowieso, Ende. Auch das kann man heute messen.

    • „Die sexuelle Prägungsgrenze, liegt um den 8. Geburtstag. Das heißt, alles was ein Kind, bis zur Prägungsgrenze, in der Sexualität nicht erlebt hat, oder erfahren hat, kann kaum noch in das Gefühlsleben des Kindes oder späteren Erwachsenen, eingebracht werden.“
      Soso. Bis zum 8. Geburtstag entscheidet es sich also, ob man später auf Blümchensex, Gangbang oder SM steht? Sorry, das kann ich nicht ernst nehmen.
      Darüberhinaus kann ich auf Erfahrungen in meinem konkreten Umfeld zurückgreifen, die genau das bestätigen, was Du bestreitest. Insofern bin ich auch da skeptisch, ich kenne es nämlich durchaus anders.

  4. Lieber Thorsten!
    Es geht hier nicht um den Bauchnabel, sondern um den Fall, den Frau Peirano hier eingestellt hat. Die Sache ist einfach zu logisch, offensichtlich und nachprüfbar, das es schwer fällt, in die große weite Welt zu gehen, um den Fall vergleichen zu können.

    Ohne es genau zu wissen, vermute ich, das die junge Dame, eine Erziehung „genossen“ hat, wie sie in unseren Breiten üblich ist. Eine Liebe zur Sexualität, hat sie wohl nie gelernt, zu entwickeln. Und, das sie eine eigenständige Sexualität hat, geht aus ihrem Brief nicht hervor. Beides braucht man aber, wenn man in der Sexualität, eingefahrene Wege verlassen will, und Neue ausprobieren will.

    Wer in einen Swingerclub gehen will, ohne innerlich bereit zu sein, den Sex, aufgrund des Sexes, genießen zu wollen und zu können, wird fast immer, fürchterlich Schiffbruch erleiden, und bleibt besser von solchen Orten entfernt. Wer sich Sexpartner suchen will, obwohl er eigentlich nur eine Beziehung sucht, bleibt besser da, wo er ist.

    Das eindeutigste Merkmal in dem Brief, waren für mich die 3 Jahre, die die junge Dame, mit ihrem Partner zusammen ist. Das ist nämlich, in etwa, genau die Zeit, die die Fachleute angeben, wie lange ein „Verliebt sein“, anhält. Solange sie -über alle Ohren verliebt- war, hat die junge Dame, großzügig, über alles hinweggesehen, was ihr geboten wurde. Erst, als sich die Schmetterlinge im Bauch, verflüchtigt hatten, setzten sich die Bedürfnisse durch, die für die junge Dame, für eine Beziehung, wichtig sind.

    • Ok, so ist das schon verständlicher.
      Allerdings finde ich positiv und begrüßenswert, dass hier seitens der Beraterin überhaupt der Versuch gemacht wird, andere als exklusive Beziehungsformen mal zur Diskussion zu stellen.
      Natürlich – wenn man es nicht kennt, ist es schwierig, sich mit anderen Modellen außereinanderzusetzen, insbesondere wenn einem ständig von der Umwelt eingeredet wird, dass Exklusivität das einzig berechtigte Beziehungsmodell ist. Natürlich erfordert ein solcher Schritt Arbeit an den eigenen Gefühlen, und dazu kann die erwähnte Literatur ein Anfang sein. Geschenkt wird einem natürlich – wie überall – nichts.
      Ein an dieser Stelle gerne folgender Einwand ist: „Gefühle sind nun mal Gefühle, dagegen kann man nicht arbeiten.“ Dagegen sei gesagt: Natürlich kann man das. Ist aber nicht so einfach. Und genau das würde man ja auch jemandem raten, der z.B. irrationale Eifersucht an den Tag legt. Da hieße es dann ja auch nicht „ok, sie sind nun mal extrem eifersüchtig, deshalb ist es die Verpflichtung ihres Partners, ihnen täglich sein Handy vorzulegen, damit sie seine Kommunikation kontrollieren können.“ In diesem Beispiel wäre Arbeit an den Gefühlen das einzig sinnvolle, und ich würde es auch in obigem Fall empfehlen, genauso wie die Beraterin.

  5. Liebe Frau Peirano!

    Habe mich hier ein wenig eingelesen, und bin ganz begeistert von Ihnen. Was Sie aber der jungen Dame, hier im Thread geraten haben, bezüglich der offenen Beziehung, hat mich doch nachdenklich gestimmt.

    Glauben Sie wirklich, eine Frau, könnte ihre Gefühle so umstellen, das sie von dem Wunsch nach nachdrücklicher Treue, auf eine offene Beziehung umschalten könnte, in der alle Beteiligten, nach Regeln, beliebig die Sexpartner wechseln?

    Rein arbeitshypothetisch, könnte ich mir das auch vorstellen, indem man so ein Problem, nach realistischen Grundsätzen , löst und auslebt. Alleine das Unterbewusstsein der Frau, wird nicht mitspielen. Mir ist kein Fall einer solchen Frau bekannt, die das auch nur ansatzweise bewerkstelligt bekommt oder bekommen hat.

    Ob dort, nur die Erziehung nachwirkt, ist schwer zu entscheiden. Ich vermute, es ist Beides. Es sind die Gene (Meme), die regeln, und es ist die Erziehung, die nachwirkt. Das ganze läuft auf einer Bandbreite ab, wo Schwerpunkte verschoben werden können, aber kein Trieb gänzlich unterdrückt werden kann. Schon gar nicht von der Ratio oder dem Bewusstsein.

    Es käme auf einen Versuch an, wo man Kinder, durch Erziehung und Ratio, so stark beeinflusst, das sie mit ihrer Sexualität, ihren Trieben und Gefühlen, so sehr ins Reine kommen, das sie in späteren Partnerschaften flexibel reagieren können. Leider sind solche Versuche, in Deutschland, teils strafrechtlich, verboten.

    Versuche hat es in dieser Richtung schon gegeben, Bei den ersten Kibbuz in Israel, hatte man versucht, den Geschlechtern, schon von Kind an, die Scham voreinander abzugewöhnen. Mit mäßigem Erfolg. Insbesondere bei Eintritt in die Pubertät, versuchten die Mädchen, ihre Scham zu verteidigen.

    Aus diesem Gesichtspunkt, mutet etwas seltsam an, wenn Sie Frau Peirano, der Dame empfehlen, es mal mit einer offenen Beziehung zu versuchen.

    • „Mir ist kein Fall einer solchen Frau bekannt, die das auch nur ansatzweise bewerkstelligt bekommt oder bekommen hat.“
      Mir sind einige persönlich bekannt. Der eigene Bauchnabel ist halt doch nicht der Nabel der Welt.

  6. Wir sind Produkte unserer Erziehung: derer seitens der Eltern, der seitens der Gesellschaft und unserer eigenen. Genetisch spielt auch noch etwas sehr wichtiges mit hinein: die einen sind Männer die anderen sind Frauen. Allein schon Evolutionstechnisch gesehen sind das zwei völlig unterschiedliche evolutionäre Ansätze. Männer sind Jäger und Sammler, Behüter und Kämpfer – der Verlust eines Mannes ist von der Evolution problemlos zu verkraften. Bleibt ein Mann übrig, kann er immer noch eine Anzahl X von Frauen schwängern und somit zum Erhalt der Art beitragen. Dies zeigt schon die blanke Mathematik: Milliarden Spermien und ein reifes Ei pro Monat. Diese Evolution ist sehr alt und genetisch in uns. Ein Frau hingegen hat eine ganz andere Aufgabe – biologisch gesehen. Und diesen beiden Modellen können wir uns letztlich nicht entziehen. Das Grundbedürfnis der Frau nach einem zuverlässigem Schutz (der in der früher durch die Sippe/Klan erfolgte) ist nun in der Familie dem Mann übertragen! Dieser Rolle kann der Mann nicht gerecht werden. Oder letztlich nur durch die vollständige Aufgabe seiner eigenen Persönlichkeit die dem Schutzbedürfnis der Frau komplett untergeordnet wird. Diese Entwicklung ist eine religiös/gesellschaftliche. Doch die grundlegenden Bedürfnisse sind geblieben. Und der Mann „wandert“ in den Untergrund ab. Verheimlichung, Lügen und Gewissensbisse um das zu tun was er fühlt und aus seinem inneren her tun will. Nichts verwerfliches, nichts böses: einfach nur seiner Natur nachgeben dürfen…… Wenn sie sich einen Jagdhund kaufen, ärgern sie sich darüber, dass es beim Spazieren gehen Hasen jagt? Ziehen sie ihn zurück? Weisen sie ihn zurecht? Schlagen sie ihn? Verlassen sie ihn? Dann hätten sie sich keinen Jagdhund kaufen sollen. Auf der anderen Seite sehe ich wohl die Notwendigkeit, dass sich Mann und Frau in irgend einer Weise zusammen tun müssen um eine Funktionsfähige Einheit zu schaffen. Die Sippe / Klan / Stamm ist abgelöst worden durch die Großfamilie, diese dann durch eine kleine Familie… wohin wird diese Entwicklung noch führen? Letztlich sind die Bedürfnisse von Mann und Frau unterschiedlich und es ist meine feste Überzeugung, dass sich der Mann hier gegenüber der Frau ebenfalls e“man“zipieren muss. Damit wir endlich auf Augenhöhe kommunizieren können.

  7. Meines Erachtens gibt es fuer diesen „Fall“ eine sehr einfache, wenn auch schmerzhafte Loesung: Sofortige Trennung!
    Der Mann fuehlt sich wohl in dieser Beziehung und sieht keinerlei Veranlassung, sich / sein Verhalten zu veraendern.
    Sie fuehlt sich „unwohl“, ueberlegt, ob sie sich aendern sollte, um sich einer von ihr unerwuenschten Beziehungsform anzupassen. Das wird nie funktionieren!
    Also Kehrtwende und einen anderen Partner suchen! Das mag lange dauern, aber es funktioniert irgendwann, sage ich aus eigener Erfahrung! Nur wenn sich beide Partner wohlfuehlen, funktioniert eine Partnerschaft auf Dauer. Eine Binsenweisheit, die offensichtlich oft vergessen wird!
    Rainer J. , Dipl.-Paed.

  8. Leider finde ich diesmal die Beträge der Kommentatoren paarpsychologisch sinnvoller als den von Frau Peirano…

  9. Deutschland, hat sich eine interessante Entwicklung ausgesucht. Auf der einen Seite, hat man die Frauen in die absolute Freiheit entlassen, auf der anderen Seite, genießen sie eine prüde und unsinnige Erziehung und eine Entwicklung, in ihrer Kindheit und Jugend, wie sie teilweise, im Mittelalter nicht so schlimm war.

    Was soll denn bei so einer Erziehung, wie sie seit ca. 40 Jahren hier in Deutschland üblich ist, anderes herauskommen, als das, was die junge Frau geschrieben hat? In ihren Angaben, stecken doch alle Klischees, die sie von Kindheit an, eingetrichtert (eingeprügelt?) bekommen hat. Sie hat offensichtlich nie Gespräche führen können, über die tatsächlichen Dinge und Hintergründe, die die sexuelle Liebe, mit sich bringt, oder bringen kann.

    Interessant, wäre auch die Version des Partners. Ich kenne solche Männer auch, und weis, wie sie ticken. Die Dame wäre erschrocken, wenn sie die Wahrheit kennen lernen würde.

    Der Dame, kann ich wenig Mut machen. Sie steckt zu fast 100% in der gesellschaftlichen Falle, wo es kein entrinnen gibt. Die Parnerschaft, ist zu 99,9% unrettbar. Es wird weitere Partnerschaften geben, bis auch das aufhört. Zum Schluss, wird sie einen Rentenbescheid zwischen 400€ und 600€, in den Händen halten. Das kommt dabei raus, wenn man sich allzu unkritisch mit gesellschaftlichen Vorgaben zufrieden gibt.

    Vernünftig wäre es, die gesellschaftlichen Vorgaben zu ändern, und sich mal Gedanken über eine vernünftige Erziehung in Sachen Sexualität zu machen. Darauf warte ich aber schon 40 Jahre vergebens. Und, es ist zu befürchten, das wir (ihr) noch weitere 150 Jahre, darauf vergebens warten (t). Eher, wird die Zahl der Einwanderer, auf 10.000 im Jahr gesenkt, als das sich die Gesellschaft, vernünftige Gedanken über die Sexualität macht.

    Es wird also noch viele Fälle geben, wie das der jungen Dame. Irgendwann, werden sie noch nichtmal mehr in der Presse veröffentlicht.

  10. Liebe Jenny,

    so sehr ich neue Partnerschaftsmodelle befürworte, finde ich bei diesem Konzept vor allem eines bedenklich: Den Grund, den er für seine erotischen Begegnungen mit anderen Frauen angegeben hat. Da steht nichts von Freude oder Spaß sondern von Selbstbestätigung. Wir wissen doch allerdings mittlerweile, dass dort immer der Wurm drin ist, wo sogenannten „Selbstbewusstsein“ von anderen Personen abhängig ist. So etwas ist ein Kompensierungsverhalten, das das eigentlich Problem, das derjenige mit sich hat, verwischt. Eine Flucht und eine Sucht, um anderweitige Ängste zu betäuben. Da es aber selten hilft, den anderen unter Druck zu setzen, würde ich empfehlen mit Hilfe von fähigen Therapeuten zunächst einmal den Spiegel zu nutzen: Wo sind bei Ihnen vielleicht noch verborgene Ängste und Unsicherheiten zu finden, die über den Partner bzw. den Sex kompensiert werden sollen? So etwas ist nicht einfach herauszufinden, denn wäre es so bewusst, wären wir selbst ja längst damit umgegangen. Wenn Sie es dann aber geschafft haben – und dass Sie das können, dessen bin ich mir sicher – können Sie auf Basis dieser emotionalen Sicherheit aus sich selbst heraus eine gut fundierte Entscheidung treffen, mit der Sie sich hunderprozentig wohlfühlen – für oder gegen eine weitere Partnerschaft, auf alle Fälle für sich selbst.

    Herzliche Grüße und alles Gute

    Natascha Rank

    • Verehrte Frau Rank,
      bitte erlauben Sie einen Kommentar zu Ihrem Beitrag. Ihrer Diagnose im ersten Teil stimme ich zu. Nun aber im Gegenzug die vollkommen normal reagierende Frau einer psychologischen Behandlung zu unterziehen, ist in meinen Augen geradezu abwegig. Wenn der Mann einen Blinddarmdurchbruch hat, was soll es dann helfen, die Frau zu behandeln?

      Vor einiger Zeit wurde in dieser Zeitschrift von einem Fall berichtet, in dem eine Mutter mit ihrem minderjährigen Sohn zum Psychologen ging, um den Jungen wegen einer leichten Unpässlichkeit behandeln zu lassen. Der Therapeut stürzte sich aber – ohne den Sohn überhaupt untersucht zu haben – sofort auf die Mutter und behandelte diese „spiegelbildlich“, obwohl sie psychisch völlig gesund war. In wenigen Jahren schaffte er es aber, diese Mutter sowohl psychisch als auch finanziell völlig zu ruinieren. So viel zu der spiegelbildlichen Therapie.

      Gerd

  11. Die Lösung ist wahrscheinlich kurz aber nicht schmerzlos.
    Ändern wird er sich höchstwahrscheinlich nicht.
    Also bleiben, eine offene Beziehung anzustreben, wie oben empfohlen (aber ich glaube nicht, dass dieses Modell für den Großteil der Frauen wirklich geeignet ist um ehrlich und ernsthaft glüclich zu sein/werden.. )
    oder als zweite Möglichkeit, sich zu trennen, lieber ein Ende mit Schrecken, als eben der Schrecken ohne Ende mit ständigem Misstrauen, Angst usw.

    Ich bezweifle, dass das stimmt, das er die andere/n ‚massiert‘ hat, aber selbst wenn es ’nur das‘ wäre, dann wäre mir dies von meine Partner schon zu viel und etwas, womit ich persönlich nicht leben könnte.
    Das wäre bitter, gerade, wenn es auch viele gute Dinge in der Beziehung gibt, aber für mich ist das ein nicht verhandelbarer Punkt.

    Wie gesagt, für die Schreiberin vielleicht möglich, aber die Lösung kann nicht sein, ich gewinn irgendwie wieder vertrauen zu ihm und vertraue blind während er mich hinterrücks weiter ohne Ende verarscht.

  12. Liebe Jenny,
    Ich erfahre genau das gleiche seit über 4 Jahren… Und ich finde es einfach nur sch***e ! Man kann hart sein, man versucht es, aber… Aber ist es das, was man sich unter Liebe vorstellt? Gerne würde ich mich mit dir persönlich austauschen. LG jens

  13. Verehrte Jenny I.,
    Sie schildern selbst, dass sein Selbstwertgefühl steigt, wenn er andere Frauen „massiert“ (nennt man das jetzt so?) und dass er diese Bestätigung von anderen Frauen benötigt. Im selben Maße sinkt Ihr eigenes Selbstwertgefühl auf Null. Es liegt am Boden, wie Sie selbst schreiben.
    Mit anderen Worten: Sie leben in einer polygamen Beziehung. Sie sind (im Moment noch) die Hauptfrau, Sie wissen aber, dass es neben Ihnen noch eine unbekannte Anzahl von Nebenfrauen gibt. Ihr Partner ist der Pascha. Er lebt emotional auf Ihre Kosten. Er nutzt Sie schamlos aus. Ihre Bilanz ist so negativ, wie sie überhaupt nur sein kann.
    Glauben Sie ja nicht, dass er sich ändert. Warum sollte er das tun? Er lebt in einem erotischen Schlaraffenland.
    Ich schlage Ihnen folgendes vor:
    1. Gehen Sie mit ihm gemeinsam regelmäßig in einen Swingerclub.
    2. Nehmen Sie Kontakt mit seinen Nebenfrauen auf und fragen Sie diese, was er so über Sie erzählt und was sie über die anderen Nebenfrauen wissen.
    Wenn Ihnen Pkt.1 nicht zusagt, ist er der Falsche.
    Wenn er Ihnen nicht die Adressen gibt (Pkt. 2), ist er der Falsche.

    In jeder Beziehung muss auf Dauer die Bilanz stimmen. Es kann nicht sein, dass dieser Typ Sie ständig anlügt und emotional auf Ihre Kosten lebt. Ziehen Sie den Stecker! Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
    Schauen Sie in den Spiegel. Sie sind eine tolle Frau. Sie haben etwas Besseres verdient!

    Alles Gute für Sie und viel Mut!
    Gerd

    • als ehedem alleimerziehende Mutter weiss ich, dass man als Frau in diesen Situationen öfter Zugeständnisse macht als man eigentlich möchte, nur um sich wieder als Frau zu fühlen, und ich vermute, dass es bei Ihnen auch so war, wie könnte es sonst sein, dass er auf Sie „keine Lust“ hat, aber die anderen „massiert“, und das auch noch am hellen Nachmittag in einem Stundenhotel! ! Und alles fürs ach so empfindliche Ego. Also diesem Ego gehört gehörig in den Arsch getreten, das ist doch wohl die Höhe, er hat auch noch dafür bezahlt, und was ist mit Ihnen? Mit so dummen Ausreden abgespeist zu werden, da sollte man sich mal die finanzielle Seite (er wohnt bei Ihnen -mietfrei?) beleuchten, und die Haushaltsituation, wer macht die Arbeit zuhause, wer zahlt was oder zahlt er sonst nix? Es befremdet mich etwas, dass das in der Schilderung so ganz unter den Tisch gefallen ist, aber mir kommt es vor, dass der saubere Herr nur weiter alle Vorteile geniessen will, abgesehen davon, dass er gleich anfangs klargestellt hat, dass es nur eine Sexbeziehung sein soll, und das soll ein „Vater“ für ein Mädchen sein? Was für ein beschissenes Vorbild bekommt dieses Mädchen und als was soll die ihre Mutter mal ansehen?
      Unter was für Vorzeichen meinte er denn eine Heirat? Das sollte man mal ohne „Sex“- Vorurteile durchdenken, und im Übrigen kann ich mich dem vorigen Kommentar von Gerd nur anschliessen, und wünsche Ihnen Mut und Stärke.
      Babs

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