Amazon verbannt Hells-Angels-Kleidung

Hell's Angels Club BerlinAnhänger der Hells Angels konnten bis vor kurzem Fanartikel bei Amazon bestellen. Erst nach Hinweisen warf der Versandhändler Klamotten mit Symbolen der Rocker-Gang aus dem Sortiment.

Die Kunden des Amazon-Händlers mit dem Namen „streetsof81“ sind begeistert: „Die jacke ist echt schön und ich kann es nur weiterempfehlen“ schreibt einer, „weste einfach nur top !!!!“ ein anderer. Die Käufer der Jacken, Sweatshirts oder Jogginghosen legen aber nicht nur Wert auf saubere Nähte, sie tragen mit den Kleidungsstücken ihre Gesinnung zu Markte. Und die ist eindeutig: Die Sportklamotten, die „streetsof81“ bis heute Morgen über Amazon vertrieben hat, sind mit Symbolen der Hells Angels versehen. Jetzt hat Amazon den Verkäufer gesperrt – nachdem der stern den Konzern darauf hingewiesen hatte.

Besonders häufig tragen die Stücke, die der Händler lange ungehindert auf Amazon anbieten konnte, den Schriftzug „Support 81“. 81 steht für den achten und ersten Buchstaben im Alphabet – HA: Hells Angels. Dieser Zahlencode wird von Mitgliedern und Sympathisanten des Rockerclubs gerne benutzt, weil sie so erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind. Szenekenner dagegen wissen sofort Bescheid.

Hells Angels bei Amazon

Andere T-Shirts oder Pullover sind mit den Worten „Red & White – Dark Side“ bedruckt. Rot und weiß sind die Clubfarben der Hells Angels, die verschnörkelte Schrift erinnert stark an das Logo der Rocker. Über 300 Kleidungsstücke hatte der Verkäufer bis gestern im Angebot, für Damen und Herren, in allen Schnitten und Farben. Wer auf Amazon nach „Hells Angels“ sucht, findet noch immer vereinzelte Teile mit Symbolen des Rockerclubs. In der Produktbeschreibung wird eine Jacke offen als „Support 81 Dark Side Jacke Hells Angels“ angepriesen. Laut einer Amazon-Sprecherin braucht das Computersystem einige Zeit, bis es die Sperrung eines Verkäufers verarbeitet hat.

Nach den internen Richtlinien von Amazon ist es verboten, rassistisches, diskriminierendes oder gewaltverherrlichendes Material auf dem Online-Shop zu vertreiben. Bei Hinweisen von Dritten sperre der Konzern entsprechende Verkäufer und Produkte, heißt es auf Anfrage. Ob Amazon selbst nach einschlägigen Produkten sucht, konnte eine Sprecherin nicht sagen. Kleidung der Marke Thor Steinar, beliebt in der rechten Szene, hatte das Unternehmen schon 2009 aus dem Sortiment geschmissen. Zuletzt war Amazon in die Kritik geraten, weil mit versteckter Kamera aufgenommene Fernsehbilder Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma dabei zeigten, wie sie ausländische Leiharbeiter schikanierten – und dabei Thor-Steinar-Kleidung trugen.

In Hamburg ist es verboten, Kleidung – beispielsweise die "Kutte" genannte Lederjacke – mit dem offiziellen Logo der Hells Angels (rote Schrift auf weißem Grund und der behelmte Totenkopf mit Flügeln) öffentlich zu tragen. Das Landgericht Hamburg hat das Verbot unlängst bestätigt, nachdem ein Mitglied des Motoradclubs dagegen geklagt hatte. Immer wieder werden einzelne Gruppen der als gewalttätig und kriminell geltenden Organisation verboten – zuletzt in Berlin, Köln und Frankfurt.

Hinter dem Amazon-Verkäufer „streetsof81“ steckt ein Geschäftsmann aus Baden-Württemberg. Neben Amazon vertreibt er seine Klamotten über einen gleichnamigen Online-Shop, auf dem er noch immer ein großes Sortiment der Hells-Angels-Kleidung anbietet. Er gibt sich auf stern-Anfrage ahnungslos: Ihm sei nicht bewusst, dass er Kleidung mit Symbolen des Rockerclubs verkaufe. Auf Nachfrage sagt er: „Scheiß auf Politik“ und knallt den Telefonhörer auf.

von: Ann-Kathrin Nezik

Das Team Investigative Recherche auf Twitter

Fotos: Sean Gallup/Getty Images, Screenshot/ Amazon.de

3 Kommentare zu “Amazon verbannt Hells-Angels-Kleidung
  1. Zu dem Artikel möchte ich folgendes Anmerken, ohne das ich Fan von den
    Hells Angels bin. Eigentlich erwarte ich von einer Presse unabhängige
    Berichterstattung, jedoch unabhängig scheint der Stern hier wohl nicht
    agiert zu haben, wenn man bedenkt das der Hinweis vom Stern gekommen ist,
    dass es sich bei dieser Kleidung um Fanartikel des Rockerclubs HA handelt.

    1. Zu dem Absatz, das Tragen von Kutte und KLEIDUNG sei in Hamburg
    verboten:::::
    NUR das Tragen der Kutte ist verboten worden in einigen Städten, eine
    Kutte ist eine Weste und keine Jacke, denn eine Jacke setzt Ärmel voraus.
    Das Tragen von Fankleidung wurde nicht verboten, wenn ja dann möge man
    hier bitte das Akz. des Urteils zum nachlesen Unwissender bekanntgeben.

    2. Wieso regt sich der Stern nicht über die einigen anderen Szenneartikel auf, wie z.b des Fussballclubs Frankfurt ( Ultras ).

    4. der Verkäufer streetsof81 hatte Recht mit seiner Aussage und mit dem
    auflegen des Telefonhörers, denn immerhin hat er es ja Stern.de zu
    verdanken das er trotz freier Marktwirtschaft nun hinnehmen muss das er
    gegen jede rechtliche Grundlage seine Wahre nicht mehr bei Amazon
    verkaufen darf. Denn da es kein Gesetz oder richterliches Urteil gibt, das dem Verkäufer den Verkauf dieser Szenebekleidung verkauft, kann es Ihm auch von keinen AGB´s verboten werden, nach meiner Ansicht.

    Zum Abschluss dieser Fragen und in der Hoffnung das sich der Stern zu
    meinem Beitrag äussert hier, nehme ich mir das recht heraus ein kleines
    Beispiel zum Nachdenken zu schreiben.
    Nehmen wir mal an, es würden bei Amazon T-Shirts mit der Aufschrift
    Stern.de verkauft werden. Jedoch würde sich mit der Seit herausstellen,
    das einige Mitarbeiter des Sterns, na sagen wir mal nicht so ganz
    Gesetzestreu wären. ( Lediglich ein Beispiel keine Unterstellung ). Würde
    das dann auch heissen das der ganze Verlag Stern eine kriminelle und
    rechtswidrige Vereinigung wäre, und müsste man dann nicht auch den Verkauf
    aller Kleidung mit der Aufschrift Stren.de verbieten ?
    PS.:
    Vlt. Sollte die Presse mal anfangen wieder die unabhängige
    Berichterstattung zu praktizieren und nicht immer versuchen mit Berichten
    Leser manipulieren zu wollen.

    LG

    Euer Raimund

  2. Hallo Raimund,
    es war die Entscheidung von Amazon, die entsprechenden Artikel des
    Verkäufers “streetsof81″ aus dem Sortiment zu nehmen. Der Versandhändler
    legt in seinen Richtlinien selbst fest, welche Produkte verkauft werden
    dürfen und welche nicht. Stern.de hat Amazon lediglich auf die Tatsache hingewiesen,
    dass Kleidung mit Hells Angels Symbolen über Amazon vertrieben wird.
    Im Gegensatz zu Fußballvereinen oder anderen Organisationen, handelt es
    sich bei den Hells Angels um eine Vereinigung, bei der einzelne Gruppen
    gerichtlich verboten sind. Dass die bis vor kurzem auf Amazon
    angebotenen Artikel auf eine Unterstützung der Hells Angels schließen
    lassen – in welcher Form auch immer ­–, ist eindeutig.
    Vielleicht interessiert Sie ja auch dieser Artikel unseres stern-Kollegen:
    http://www.stern.de/wirtschaft/news/rechtes-sortiment-beim-versandhaendler-amazons-braune-ecke-1975084.html

  3. Finde die Berichterstattung etwas einseitig, und das Verhalten von Amazon etwas überzogen.

    streetsof81 verkauft nun seine Ware weiter über seinen privaten Shop und über Ebay.
    Von daher liegt der Verdacht nahe, dass dieser Schuss sein Ziel verfehlt hat, und man lediglich die Käufer dieser Wahre auf eine andere Plattform getrieben hat. Wichtiger fände ich es eigentlich dafür zu sorgen, dass solche Internetshops wie dem …versand (von der Redaktion bearbeitet) das Handwerk gelegt wird.

    Mich macht es auch ein wenig stutzig, dass es hier im Blog so wenig Statements dazu gibt.

    Unterdrückte Meinungsäusserung oder interessiert das Thema hier wirklich keinen ?

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