Betrug bei islamischen Bestattern?

Viele Berliner Bestatter, die Beisetzungen nach islamischer Tradition anbieten, nutzen die Trauer ihrer Kunden angeblich aus: Sie zocken die Hinterbliebenen ab und arbeiten am Finanzamt vorbei. Jetzt packt ein Insider aus.

Der Mann erzählt bei einem Treffen, wie das krumme Geschäft funktioniert: Die Familie eines Verstorbenen bezahle die traditionelle Totenwaschung in der Moschee in bar, ohne Quittung. Den Sarg kaufe der Bestatter unter der Hand von einem Kollegen. Wird der Tote in sein Heimatland geflogen, schicke der Bestatter die Familie vor und lasse sie die Überführungskosten beim Spediteur bezahlen, auch hier ohne Quittung. So hinterlasse der Bestatter keine Spuren und es falle niemandem auf, wenn er hinterher nur einen Bruchteil seiner Dienstleistungen versteuere, erzählt der Insider.

Neben dem Finanzamt betrügen viele islamische Bestatter aus Berlin angeblich ihre Kunden: Können sich die Hinterbliebenen keine Bestattung leisten, springt das Sozialamt ein. Mit dem Satz vom Amt muss ein Bestatter auskommen. Trotzdem kassierten viele islamische Bestatter von den Familien zusätzlich vierstellige Beträge, sagt der Informant. Die Bestatter erzählten ihnen, dass das Geld nur ein Vorschuss sei. In den meisten Fällen sähen die Familien es aber nie wieder.

Auch eigentlich Unbeteiligte verdienten kräftig mit, behauptet der Mann. Zum Beispiel Übersetzer, die in großen Krankenhäusern für Arabisch sprechende Patienten dolmetschen. Wenn ein muslimischer Patient stirbt, rufe der Dolmetscher einen Bestatter seines Vertrauens an und verschaffe ihm den Auftrag – obwohl die Angehörigen den Bestatter frei wählen dürfen. Für seine Vermittlung kassiere der Dolmetscher ein Handgeld, sagt der Insider.

Treffen diese Schilderungen zu, dann arbeiten sehr viele islamische Bestatter in Berlin mit unlauteren Methoden.

Wir suchen Betroffene, die sich von einem islamischen Bestatter betrogen oder abkassiert fühlen. Schreiben Sie uns unter investigativ@stern.de oder hinterlassen Sie eine Nachricht in unserem anonymen Briefkasten.

von Ann-Kathrin Nezik

Das Team Investigative Recherche auf Twitter

Foto: Frank May/dpa

 

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