Chatten mit einem Unbekannten

WettmanipulationEin Magazin will mit einem der meistgesuchten Wettmafiosi, Dan Tan Seet Eng, gechattet haben. In der Heimat des Paten bezweifelt man, dass der Boss dazu überhaupt in der Lage ist.

Alle wollen ihn, keiner kriegt ihn. Dan Tan Seet Eng ist der Kopf des Wettsyndikats aus Singapur.  Im Juli 2011 zeigte der stern zum ersten Mal sein Gesicht und erzählte, wie das System des Betrügers funktioniert. Ein stern-Reporter klingelte an seiner Haustür, doch Dan Tan war nicht zu Hause. Inzwischen sucht Interpol ihn mit internationalem Haftbefehl, in Italien hat die Staatsanwaltschaft Cremona bereits Anklage erhoben. Die Bochumer Ermittler, die sich seit Jahren mit dem Thema Fußballwettmanipulation beschäftigen, scharren mit den Füßen, um endlich mit ihm zu sprechen, denn Singapur ist inzwischen von den Bochumern offiziell als die Quelle allen Wettübels identifiziert worden. Außerdem gibt es Verbindungen zwischen Zockern in Deutschland und dem Paten aus Singapur.

Ende Februar überraschte Dan Tan Ermittler und Journalisten, als die Polizeibehörden in Singapur verlauten ließen, Dan Tan "unterstütze die Behörden bei ihren Ermittlungen". Worüber er mit den Behörden spricht und ob er überhaupt eine Beteiligung an verschobenen Spielen zugibt, ist bislang nicht durchgesickert.

Verganene Woche veröffentlichte dann der Spiegel, dass er seit über einem Jahr mit Dan Tan Seet Eng in Kontakt stehe. Man habe mehrmals im Internet gechattet und Dan Tan habe davon gesprochen, wie er mit einem Spiel 15 Millionen Euro gewonnen habe. 800.000 Euro "Beitrag" habe er für einen Spieler bezahlt. Und er habe zugegeben, beim Champions-League-Spiel zwischen Fenerbahce Istanbul und dem FC Barcelona im September 2001 dafür gesorgt zu haben, dass die Flutlichter mitten im Spiel erloschen, weil er das Spiel habe manipulieren wollen.

"Das Phantom", nennen die Autoren Dan Tan. Aber wie konnten sie sicher gehen, dass es sich bei ihrem Gegenüber tatsächlich um den gesuchten Wettpaten handelte?  "Was wahr ist und was nicht von allem, was Tan über seinen Einstieg ins Wettgeschäft und seinen Aufstieg zum Großzocker schrieb, ist schwer zu überprüfen", schreiben sie im Artikel. Weiter heißt es:

"Und nicht zuletzt stellt sich die Frage: Ist der Mann, der sich als Tan Seet Eng zu erkennen gab, identisch mit dem weltweit gesuchten Wettbetrüger? Sehr vieles spricht dafür. Seine Hinweise und Andeutungen bewiesen jede Menge Insiderwissen, das sich auch in den Akten der Staatsanwaltschaft Cremona wiederfindet. Und seine Schilderungen deckten sich in vielen Details mit den Aussagen seines einst wohl wichtigsten Komplizen Wilson Raj Perumal."

In Singapur zweifelt man daran, dass Dan Tan sich tatsächlich darauf eingelassen hat, mit den Medien zu sprechen. Die Tageszeitung The New Paper veröffentlichte Anfang dieser Woche einen Bericht und zitiert den ehemaligen FIFA-Ermittler Michael Pride mit deutlicher Kritik am Spiegel. "Der Artikel käut alles wieder, was bisher aus diesen Quellen bekannt war - Wilson Raj's Befragungen durch die finnischen Behörden, die Bochumer Ermittlungen und die italienischen Ermittlungen in den Ligen A und B. Es gibt keine neue, überprüfbare Information." Tatsächlich berichten internationale Medien seit Jahren detailliert über die Ermittlungen und die Aussagen der Betrüger. Viele der Informationen sind öffentlich zugänglich im Internet zu finden und auf Medienseiten verlinkt. Michael Pride glaubt nicht, dass Dan Tan irgendetwas zugeben würde, da gerade Interpol und die Polizei in Singapur auf seine Finger schauen würden.

Einer der Manipulateure aus Singapur ist in seinem Urteil noch drastischer. "Das ist totaler Unfug", sagt einer, der eine Zeit lang mit dem Boss zu tun hatte. "Dan Tan weiß noch nicht mal, wie man einen Chatroom bedient." Er sei nicht gebildet, eher ein "street smarter" Geschäftsmann und nicht der Typ, der sich jahrelang verstecke und dann plötzlich im Internet mit einem deutschen Medium spreche. Die Bestechungssumme von 800.000 Euro hält er jedoch für realistisch. Trotzdem sagt er: "Ich wette meinen letzten Penny, dass das (im Chat) nicht Dan Tan war."

von: Nina Plonka
Foto: dpa

1 Kommentar zu “Chatten mit einem Unbekannten
  1. Das der Spiegel es mit der Wahrheit nicht mehr so ernst nimmt ist ja keine Überraschung. Wahrscheinlicher scheint mir dann schon, dass Dan Tan seinen Enkel diktiert hat was der im Chat schreiben soll.

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