Da steht es weiß auf weiß

Die Böll-Stiftung scheitert daran, eine Textpassage spurlos aus dem Fleischatlas zu entfernen – ein schönes Beispiel dafür, dass digitale Dokumente oft verborgene Informationen enthalten.

Mit unsichtbarer Tinte zu schreiben ist eine Kunst: Mit Füller und Zitronensaft die geheime Botschaft aufs Papier tupfen, ohne die Wörter zu verwischen, draufpusten, bis alles trocken ist – und der Empfänger es mit dem Bügeleisen bearbeiten kann, bis die Schrift braun und damit lesbar wird. Umständlich.

Oder man macht es wie die Heinrich-Böll-Stiftung: Die hat gerade den “Fleischatlas” herausgebracht, der sich mit dem Lebensmittel Tier beschäftigt. Auf Seite 6 stehen Vorworte der Herausgeberinnen und der Schriftstellerin Karen Duve – jedenfalls in der gedruckten Version. In der PDF-Fassung ist der kurze Text von Duve unsichtbar: er steht dort in weißer Schrift auf weißem Grund.

Die Erklärung dafür ist leider alles andere als mysteriös: Die Stiftung habe schlicht versäumt, von Duve auch die Online-Rechte einzuholen, sagt Ramona Simon von der Böll-Stiftung. Als dann vor Erscheinen alles ganz schnell gehen musste, wollte man lieber auf Nummer sicher gehen und “löschte” den Text von Duve im PDF.

Jetzt ließe sich darüber herziehen, wie eine politische Stiftung vergessen kann, dass Texte inzwischen auch im Internet erscheinen; oder darüber, dass sich weiße Schrift auf weißem Grund natürlich trotzdem markieren, kopieren und auch über die Suche im Dokument finden lässt.

Oder es ließe sich mal kurz überlegen, ob diese Böll-Version der unsichtbaren Tinte auch in anderen Dokumenten zu finden ist, in denen mal schnell was “gelöscht” werden sollte, vielleicht auch mit spannenderem Inhalt als im Fleischatlas.

Wäre ja schön blöd, wer das täte? Stimmt. Ungefähr so blöd, wie Dokumente mit dem Vermerk "VS-Nur für den Dienstgebrauch" ins Netz zu stellen. Vor allem, wenn es um die IT-Infrastruktur der Bundeswehr geht, wie in diesem Treffer.

(Sicherheitshalber haben wir diese lesenswerte Präsentation auch als PDF gespeichert: Goehring_AFCEA_24112008)

von: Frida Thurm

1 Kommentar zu “Da steht es weiß auf weiß
  1. Zur ppt: Immerhin wissen wir jetzt, dass “IT unabdingbar für Bw” ist – nach 2016.
    Aber im Ernst, manchmal scheinen solche Windows-3.1-Typen unfreiwillig mehr für die Informationsfreiheit zu tun als anderswo Fachabteilungen.

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