Ein alter Bekannter und seine Spielchen

Der UEFA-Hochstapler Robin Boksic steht wieder vor Gericht – nur diesmal geht es nicht um Fußball. Er soll Geschäftspartner abgezockt haben. Jetzt hat er den Prozess vorläufig platzen lassen.

Ein Richter, neun Zeugen, kein Angeklagter: Eigentlich sollte sich Robin Boksic in dieser Woche vor dem Amtsgericht München wegen Betrugs verantworten, doch sein Platz im schmucklosen Gerichtssaal des Justizbaus blieb leer. Der Angeklagte hatte sich krankschreiben lassen – wieder einmal. Und entkommt so vorerst einer Verurteilung, die ihn wahrscheinlich ins Gefängnis gebracht hätte.

Wie der stern enthüllte, hatte Boksic als Mitarbeiter der Disziplinarabteilung der UEFA behauptet, der FC Bayern habe ein Champions-League-Spiel an die Russenmafia verkauft. Eine Lüge, wie sich herausstellte. Peter Limacher, damaliger Chefermittler des Fußball-Verbands, war auf den Hochstapler reingefallen und am Ende für UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino nicht mehr zu halten. Limacher musste sich einen anderen Job suchen.

Boksic wiederum hat seine Karriere als gewerbsmäßiger Betrüger schon vor dem UEFA-Skandal erfolgreich gestartet, davon geht zumindest die Staatsanwaltschaft München aus. Drei Geschäftspartner werfen dem Kroaten vor, ihnen mit vermeintlichen Immobilien-Deals fast eine Viertelmillion Euro abgeknöpft zu haben. Er heuchelte ihnen laut Anklage ein lukratives Geschäft mit Grundstücken in Kroatien vor: Durch seine exzellenten Kontakte in Regierungskreise käme er spottbillig an Grundstücke, die der Staat loswerden wolle. Das erworbene Land könne man dann gewinnbringend an Investoren weiterverkaufen. Seine Partner zahlten ihm zehntausende Euro für den Kauf mehrerer Grundstücke und einer verfallenen Hotelanlage. Boksic erwarb die Grundstücke nie.

Seine ehemaligen Geschäftspartner beschreiben Boksic als einen Mann, der auf alles eine Antwort weiß. Rusmin Causevic hat nach eigenen Angaben 180.000 Euro an den mutmaßlichen Betrüger verloren. Er lernte Boksic über seinen Versicherungsmakler kennen, der ihm von dessen Geschäftsabsichten erzählte. „Man konnte Boksic nachts anrufen und ihn nach einem Deal fragen, von dem er vor Wochen erzählt hatte: Er wusste noch alle Details“, sagt der Unternehmer. Boksic fuhr mit ihm sogar nach Kroatien und zeigte ihm die Grundstücke, die er angeblich kaufen wollte.

Der Münchner, verheiratet und Vater einer Tochter, erschlich sich das Vertrauen seiner Partner außerdem mit teuren Geschenken. Mit Rusmin Causevic flog er in die USA, um gemeinsam amerikanische Verwandte zu besuchen. Boksic bezahlte die Business-Class-Flüge, mutmaßlich vom Geld aus den Grundstücksgeschäften.

Dass Boksic sich zu Prozessbeginn hat krankschreiben lassen, ist bei ihm keine neue Masche: Im Rechtsstreit mit dem stern wegen unserer Enthüllungen über den UEFA-Skandal versuchte er es auch mit einer Reihe von Verzögerungstaktiken, genauso wie im Strafverfahren in Sachen FC Bayern, in dem er plötzlich krank geworden war. Diesmal hatte Boksic sein ärztliches Attest erst zwei Stunden vor Verhandlungsbeginn eingereicht. Weil ohne den Angeklagten nur in Ausnahmefällen verhandelt wird, schickte Richter Thomas Müller Zeugen und Nebenkläger wieder nach Hause. Müller zeigte sich ungehalten über Boksics Manöver: „Das ist unsäglich und unseriös.“ Ein neuer Prozesstermin ist noch nicht festgesetzt. Ewig kann Boksic sein mutmaßliches Spielchen wohl nicht weitertreiben. Notfalls wird er per Haftbefehl vor Gericht vorgeführt.

Für den Hochstapler geht es in dem Prozess um alles: Er ist wegen unerlaubter Einfuhr einer Kriegswaffe vorbestraft, eine weitere Vorstrafe wegen Verleumdung im Fall FC Bayern ist noch nicht rechtskräftig. Wird er jetzt noch wegen Betrugs verurteilt, droht ihm Knast.

von: Ann-Kathrin Nezik

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