Schlinge um Wettmafia zieht sich zu

Fussball_Wettbetrug_2Interpol erhöht den Druck auf die Wettmafia aus Singapur. Ein mutmaßliches Mitglied des Syndikats von Dan Tan Seet Eng ist festgenommen worden. Einer der in Deutschland verurteilten Zocker soll mit ihm befreundet gewesen sein.

Es scheint, als sei das Glück derzeit auf der Seite der Ermittler. Seit Europol Anfang Februar eine große Pressekonferenz in den Haag abhielt und berichtete, Manipulation im Fußball sei extrem weit verbreitet, schenkt die Öffentlichkeit dem Thema wieder mehr Aufmerksamkeit. Auch wenn Ermittler aus ganz Europa dort viel Lärm machten und wenig Neues erzählten.

Heute morgen dann der nächste Zug: In Kuala Lumpur ließ Interpol auf einer Presskonferenz verlauten, die Zusammenarbeit der Länder im Kampf gegen Wettmanipulation zu verbessern, schneller und effizienter zu machen. Und den Beweis lieferten sie gleich mit: In Mailand habe man ein weiteres mutmaßliches Mitglied des Dan Tan Syndikats festgenommen. Dan Tan ist der Boss der mächtigen Wettmafia, die von Singapur aus in der ganzen Welt Fußballspiele verschiebt und dadurch Millionen verdient.

Nun ist der 31-jährige Slowene Admir Suljic den Behörden ins Netz gegangen. Interpol hatte die Behörden darüber informiert, dass Suljic von Singapur nach Mailand fliegen würde. Er soll einer von sechs Teilhabern sein, die für Dan Tan Spiele ausrichten, dann Spieler oder Schiedsrichter bestechen und auf das vorher abgesprochene Ergebnis setzen. Die Staatsanwaltschaft Cremona sieht ihn als einen Teil einer Gruppe von Slowenen, die Dan Tan in Italien regelmäßig getroffen haben. Nachweisen kann sie Suljic bisher, 2009 mit Dan Tan in einem Auto bei einer Grenzkontrolle gesessen zu haben.

Verbindungen nach Deutschland

Suljic ist auch den deutschen Behörden bekannt. Dragan M., der vor dem Bochumer Landgericht im vergangenen Jahr verurteilt wurde, sagte aus, er sei mit Suljic befreundet. Der Slowene M. war für die Wettspieler das Tor zum asiatischen Wettmarkt auf dem sie wesentlich höhere Einsätze machen konnten. Auch Deutschlands bekanntester Zocker Ante Sapina und sein Kumpane Marijo C. hatten schon von Suljic gehört. Marijo C. zeichnete den Ermittlern in einer Vernehmung ein Organigramm auf und versuchte mit Blasen, Pfeilen und Strichen, die komplizierten Verbindungen der Akteure sichtbar zu machen, darunter auch Suljic, den er einem "Den", also mutmaßlich Dan Tan zuordnete.

In Italien laufen bereits seit 2011 Ermittlungen gegen den Boss des Syndikats sowie Admir Suljic und weitere Hintermänner. Die Ebene der sechs Teilhaber scheint sich allmählich aufzulösen oder vermutlich eher umzustrukturieren. Denn im vergangenen Jahr hatte sich in Italien ein mutmaßliches Mitglied den Behörden gestellt. Wilson Raj Perumal, ebenfalls Ex-Teilhaber befindet sich inzwischen im Zeugenschutzprogramm weil er 2011 in einem Prozess in Finnland auspackte und so die Ermittlungen gegen Dan Tan ins Rollen brachte. Den Boss zu kriegen, halten Ermittler für sehr schwierig. Auf ihn ist ein internationaler Haftbefehl ausgestellt. Dass er in Singapur oder in den angrenzenden Staaten vermutet wird, ist ein Dorn im Auge vieler europäischer Ermittler. Auch hier versuchte Interpol ein Zeichen zu setzen. Wenn den Behörden in Singapur "glaubwürdige Beweise für kriminelle Aktivitäten in ihrem Land" vorgelegt würden, "wird die Polizei Singapurs schnell handeln, um den Verursacher zu lokalisieren und festzunehmen, so dass die Rechtsstaatlichkeit gewährleistet wird", sagte der Generalsekretär von Interpol, Ronald K. Noble.

Dass aus Singapur Tipps weitergegeben werden, wenn ein mutmaßlicher Wettbetrüger slowenischer Herkunft das Land verlässt, ist bereits ein kleiner Erfolg. Doch der Kopf des Syndikats ist ein Staatsbürger Singapurs. Ob die dortige Behörden Dan Tan Seet Eng ans Messer liefern, das darf bezweifelt werden.

von: Nina Plonka

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

3 Kommentare zu “Schlinge um Wettmafia zieht sich zu
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