Heldengedenken

NSU Prozess - Andre E.Der Angeklagte André E. hat seinen toten Freunden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt quasi einen Altar gebaut: In seiner Wohnung hängt eine Kohlezeichnung – Fahndungsplakat in Heldenpose.

“Unvergessen” prangt in altdeutscher Schrift auf dem Bild über dem Flachbildfernseher. Es ist eine DINA-4-große Kohlezeichnung in braunem Rahmen. In der Mitte die lachenden Gesichter von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, unterlegt mit einer weißen Todesrune. Heldengedenken im Wohnzimmer der Familie E.

Die Zeichnung wurde Mitte April in ihrer Zwickauer Wohnung vom BKA bei einer Hausdurchsuchung entdeckt. Susann E. soll Beate Zschäpe auf ihrer Flucht mit Klamotten eingedeckt haben, gegen sie wird nun auch wegen Strafvereitelung ermittelt, neben der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Ihr Mann André E. sitzt bereits wegen diesem Vorwurf im NSU-Prozess auf der Anklagebank. Er soll Wohnmobile für Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe angemietet und Beate Zschäpe bei einer Polizeivernehmung mit einer Falschaussage gedeckt haben. Susann und André E. stellten außerdem ihre Identitäten zur Verfügung, im ausgebrannten Wohnmobil und in der Wohnung wurden Bahncards mit ihren Namen und den Fotos von Zschäpe und Böhnhardt gefunden.

In München haben Zschäpe und E. bisher keine Blicke, keine Worte getauscht. E. sitzt meist breitbeinig und mit verschränkten Armen ganz vorne rechts in der ersten Reihe der Angeklagten und beachtet Beate Zschäpe wenig. Seine Verehrung für die beiden toten Rechtsterroristen drückt André E. zu Hause aus: Das Portrait der beiden Uwes ist selbstgezeichnet – ob André E. sich hier künstlerisch verausgabt hat und von wann es datiert, konnte das BKA nicht ermitteln. Vermerkt wurde allerdings, dass das Bild eine “exponierte Stellung” einnehme – “zentral und hervorgehoben immer im Blickfeld auf den Fernseher gegenüber dem Sofa.” Daneben haben Susann und André E. die Fotos ihrer Kinder aufgehängt.

Mit dem Argument, das Bild sei nicht vom Durchsuchungsbeschluss umfasst, habe sich André E. außerdem heftig gegen die Sicherstellung gewehrt. Das BKA folgert nüchtern: Die abgebildeten Personen nehmen einen nicht unerheblichen Stellenwert für die Fam. E. ein.

Bis zum Schluß waren die E.s wohl die besten Freunde des Trios. Mindestens einmal die Woche hat Susann E. ihre Freundin Beate besucht, gern auch mit ihren Kindern. André E. war es auch, den Zschäpe direkt nach dem Anzünden des Wohnhauses anrief. Ende November 2011 wurde André E. festgenommen und zunächst verdächtigt, dem Trio bei der Herstellung des Bekennervideos geholfen zu haben. Im Juni 2012 wurde er aus der U-Haft entlassen.

In Saal A101 in München vergisst man bisweilen, dass André E. auch dort sitzt: Nur einmal hat er kurz seinen Namen gesagt. Er wird nicht aussagen. Anders als die Szene-Verteidiger von Ralf Wohlleben haben sich auch seine Anwälte bisher überhaupt nicht zu Wort gemeldet.

André E. kommuniziert wohl ohnehin lieber non-verbal: Seine Gesinnung hat er sich in die Haut eingeritzt – “Die Jew Die” (Stirb Jude Stirb) lautet das Tatoo auf seiner Brust. Einige Beobachter wollen am Mittwoch den Thorshammer, ein bei Neonazis beliebtes völkisches Symbol für Stärke, an seiner Halskette gesehen haben.

Und als sein Zwillingsbruder Maik zu Besuch war, nutzten sie eine Symbolik der ausgeklügelten Art: Beide trugen am gleichen Tag T-Shirts mit dem Logo der Metal-Band AC/DC und Lederwesten drüber. Die Westen verdeckten die Buchstaben des Logos, übrig blieb die Sig-Rune in der Mitte. Zwar saß der eine bärtige Bruder auf der Besuchertribüne, der andere unten auf der Anklagebank – doch im Doppelpack ergab das: SS.

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