Wohlleben-Anwältin in rechtsextremer Gazette

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In München wollen die meisten Journalisten von den Wohlleben-Verteidigern keine O-Töne. Nicole Schneiders wanzt sich dafür nun in rechter Monatszeitschrift an linke Nebenklageanwälte heran.

Wenn die anderen Anwälte vor dem Gerichtsgebäude Interviews geben, stehen die Wohlleben-Verteidiger Nicole Schneiders und Olaf Klemke oft ein bisschen verloren herum. In München will niemand mit ihnen reden. Auch von fast allen Nebenklagevertretern werden sie gemieden.

Daher kann die rechtsextreme Zeitschrift “Zuerst!” nun ganz “exklusiv” mit Nicole Schneiders reden, wie das “Deutsche Nachrichtenmagazin” das Interview mit der Szene-Anwältin auf ihrer Webseite bewirbt. Als  ”starke Stimme für deutsche Interessen” versteht sich die Monatsmagazin. 2010 ist es als rechtes Pendant zum Spiegel gestartet, wird von einer Tochtergesellschaft des Bauer-Verlags vertrieben. “Zuerst!”, so der Ex–Chefredakteur Deschner (davor Kulturressortleiter der Tageszeitung “Die Welt”) will sich „dem Konformitätsdruck des Meinungskartells nicht unterordnen.“ Genau die richtige Plattform also für die Rechtsanwältin Nicole Schneiders, die selbst jahrelang als Rechtsextremistin vom Verfassungsschutz beobachtet wurde.

In der Augustausgabe breitet Schneiders ihre Ansichten zum NSU-Prozess aus, polemisiert gegen die Behörden (“Wenn es nichts zu verstecken gab, weshalb dann die Sonderschichten am Aktenschredderer?”) und macht sich mit einigen Nebenklägern (selbst NSU-Opfer oder deren Angehörige) gemein: “Das behauptete Nichtwissen der Landesämter für Verfassungsschutz bzw. des Bundesamtes für Verfassungsschutz halten wir, ebenso wie die Nebenkläger, für eine reine Schutzbehauptung”, sagte Schneiders.

Wenige Zeilen später betont sie wohl wieder, dass “Einigkeit mit der Nebenklage” bestehe. Sie bezieht sich dabei insbesondere auf den Tatort in Kassel – wo Verfassungsschützer Andreas Temme als “zentrale Figur” beim Mord an Halit Yozgat in dessen Internet Café anwesend gewesen sein soll.

Die linken Hamburger Strafverteidiger Thomas Bliwier, Doris Dierbach und Alexander Kienzle vertreten die Familie Yozgat. Die Avancen von rechts sehen sie gelassen:  ”Man kann sich gegen Zuspruch von der falschen Seite nicht wehren”, kommentiert Doris Dierbach trocken. Und Thomas Bliwier ergänzt: “Wenn Herr Wohlleben etwas über die Verstrickung des Verfassungsschutzes weiß, möge er es doch sagen.”

Das Interview in der rechten Gazette könnte –  unter Umständen – etwas über das Insider-Wissen des Angeklagten Wohllebens offenbaren. Bisher schweigt er. Das rechte Magazin müsste man aber für 5 Euro als ”Leseprobe zum Vorzugspreis” bestellen. “Zuerst!” ist eine reine ”Abonnementszeitung” – und an Kiosken zum Glück nicht mehr erhältlich.

4 Kommentare zu “Wohlleben-Anwältin in rechtsextremer Gazette
  1. “Wenn es nichts zu verstecken gab, weshalb dann die Sonderschichten am Aktenschredderer?” Stimmt!
    “Zuerst!” ist eine reine ”Abonnementszeitung” – und an Kiosken zum Glück nicht mehr erhältlich. Stimmt nicht! Ich kaufe Zuerst am Kiosk.
    Wieder mal ein gehässiger Sternartikel mit vielen Unwahrheiten.

    • Hallo Herr Passau,
      dann habe ich die Zeitung übersehen, als ich – stichprobenartig – an Bahnhofskiosken danach suchte. Auf ihrer Webseite schreiben die Herausgeber zumindest: Abo-Zeitung. Verraten Sie mir, wo Sie das Blatt erstehen?
      Viele Grüße
      Lena Kampf

    • Hallo Herr Mast,
      dann habe ich die Zeitung übersehen, als ich – stichprobenartig – an Bahnhofskiosken danach suchte. Auf ihrer Webseite schreiben die Herausgeber zumindest: Abo-Zeitung. Verraten Sie mir, wo Sie das Blatt erstehen?
      Viele Grüße
      Lena Kampf

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