Uta Melle

Ca. 85.000 Frauen und ca. 500 Männer erhalten jährlich allein in Deutschland die Diagnose Brustkrebs. Viele ähnliche Probleme entstehen für die Betroffenen während und nach der Erkrankung und für das Umfeld, Familie, Freunde und Kollegen – Zeit offen darüber zu diskutieren.

Ich bin Uta Melle, Jahrgang 1969, verheiratet, 2 wunderbare heranwachsende Kinder.

Krebs hat eine lange Tradition in meiner Familie. 1989 diagnostizierte man Krebs in der linken Brust meiner Mutter. Sie ließ diese amputieren und tat alles, was man so tun konnte. 7 Jahre später ging es in der rechten Brust weiter. Brusterhaltende Operation war damals die Behandlung der Stunde. 12 Jahre später starb sie nach weiteren 3 Ausbrüchen. 3 Tage vor ihrem Tod diagnostizierte ein Arzt nun bei mir Brustkrebs links: gleiches Alter, gleiche Tumorgröße, gleiche Seite.

Aufgrund der Erfahrungen des Krankheitsverlaufes bei meiner Mutter, wusste ich sofort, was ich tun wollte: sobald wie möglich das anfällige Gewebe entfernen lassen, um lange zu leben. Ich hatte keine Angst davor, keine Brüste mehr zu haben –meine Mutter war für mich immer eine der schönsten und tollsten Frauen der Welt, egal ob sie zwei, eine oder nur eine halbe Brust hatte. Also bat ich meinen behandelnden Arzt um die Amputation beider Brüste: die rechte Brust zur Vorsorge – der Arzt dankte mir für meine Entscheidung. Die Entscheidung über einen Brustaufbau verschob ich – erst Heilung, dann Dekoration.

 

Um herauszufinden, wer und wie ich ohne Brüste war, ob ich sie für mein Selbstwertgefühl brauchte, ließ ich mich von einer Freundin fotografieren: lasziv, androgyn, nachgestellte Motive – alles mögliche – und ich fand die Antwort, die ich suchte: ich brauchte keinen Busen, um Schön zu sein. Schönheit hatte sich für mich verändert. Diesen Weg ging ich 1 Jahr später mit 18 anderen Frauen nochmals – wir 19 Amazonen ließen uns 2 Tage fotografieren.

Keine wusste, worauf sie sich eingelassen hatte – fast alle sagten, sie würden sich nicht ausziehen – aber alle waren nach 30 Minuten nackt und turnten glücklich herum. Allein die Tatsache, andere Frauen mit der selben Narbe zu sehen, wie andere Frauen mit dieser Narbe umgehen, war der Moment, in dem wir die Möglichkeit ergriffen, vieles zu verarbeiten, zu akzeptieren und somit den Raum für Neues zu schaffen – das Leben so zu nehmen wie es ist und wieder zu sehen, was es zu entdecken gibt.

An beiden Tagen entstanden unfassbar kräftige, mutige, wunderschöne Fotos. Sie zeigen Kraft, Zerbrechlichkeit, Mut und pure wissentlich gelebten Lebensfreude wunderschöner Frauen.

 

Inzwischen habe ich mich mit vielen Frauen ausgetauscht: in Diskussionsrunden, Foren, vielen Einzelgesprächen und im Rahmen meiner Ausstellungen, Vorträge, über facebook und in meinem blog. Ich berichte aus diesen Erfahrungen – ich bin keine Medizinerin. Ich bin eine Frau, die gelernt hat, wie wichtig die Gemeinschaft und der Austausch mit anderen Frauen ist und die immer bereit ist, weiter zu lernen.

11 Kommentare zu “Uta Melle
  1. Toll – auch ich habe Krebs! Muss/soll ich den jetzt auch öffentlich machen?

    Ich bin auch kurzsichtig, auf dem linken Ohr taub – um nur einige meiner weiteren Wehwehchen zu nennen. Muss das alles öffentlich gemacht werden?

    Nur am Rande: vor einigen Wochen wurde während einer Krebs-Talkshow (Maischberger) u.a. erwähnt, dass etwa 40 Prozent aller Menschen irgendwann mal an Krebs erkranken, und auch, dass immer mehr geheilt werden. Muss dann auch noch jeder seinen Krebs öffentlich machen?

    • Lieber Herr Hullen – machen Sie einfach was Sie wollen, dann passt es schon! Darum geht es – jeder soll es frei handhaben können, wie er möchte.

    • Ohje, was müssen Sie für ein verbitterter Mensch sein?? Schon mal überlegt, die Energie in positive Dinge zu investieren?

      Zu Ihrer Frage: Nein, Sie MÜSSEN gar nichts öffentlich machen! Bei Ihrer negativen umotivierenden Ausstrahlung würde sich sowieso niemand dafür interessieren! ( -> Vielleicht ist Frust der Grund weshalb Sie hier eine sehr mutige Person ohne Grund dumm anmachen? Oder generell ein Problem mit starken Frauen??)

      Ich für meinen Teil, liebe Frau Melle, bedanke mich für Ihre Offenheit und denke, dass Sie vielen Betroffenen damit Mut machen, und helfen mit der Situation umzugehen! Find ich klasse!! Und das Foto (by the way) ist wunderschön!

      Alles Gute für die Zukunft!
      Liebe Grüße,
      Suleika

    • „Müssen “ muss niemand, aber als ich endlich von meiner Leukämie durch Stammzell-Transplantation geheilt wurde, fühlte ich mich irgendwie verpflichtet die Gesellschaft zu erzählen, nicht über mein Erfolg, sonst dass man NIE die Hoffnung aufgeben soll. Und wenn Sie sowie ich vielleicht für nur einen einzigen Mensch Hoffnung der zur eine Heilung geführt hat, dann war das Ganze WERT!
      Aber „müssen“ muss niemand!

  2. Liebe Uta,
    es ist immer wieder gut, Positives zu lesen. Ja, auch Negatives eröffnet Betroffenen neues Positives, was man vorher vielleicht nicht sah oder sehen wollte.
    @Herr Hullen: Sie sollen/müssen gar nichts. Sicherlich kann man auch nicht öffentlich im Kreis der Familie/Freunde seine Probleme oder Fakten loswerden und austauschen. Das ist eine sehr wichtige Stütze! Uta Melle spricht aber hier auch Betroffene an, die vielleicht nicht wissen, wohin mit ihren Gedanken. Denkanstöße sind für Betroffene sehr wichtig.
    Wir alle „müssen“ gar nichts. Aber wir dürfen doch, oder? Wir dürfen ja auch Reiseberichte veröffentlichen.

  3. Liebe Uta

    Dein Beitrag ist wunderbar und es ist wichtig immer nach vorne zu schauen.

    Und sehr geehrter Herr Hullen, es ist doch jedem selbst überlassen wie er im Umgang mit dem Thema krebs sich arrangiert.

    Ich zu meinem Teil versuche auch betroffene und Angehörigen zu helfen… Ich hatte schon 3 mal krebs in einem Zeitraum von 16 Jahren.

    Denken sie mal über ihren Beitrag nach!

    Zumal jede berühmte Persönlichkeit die an Krebs erkrankt ist in den Medien gebracht wird. Es stimmt Millionen leiden/erkranken an krebs.

    Aber viele brauchen Hilfe und Informationen… Naja könnt jetzt noch stunden schreiben meine Meinung ihr Beitrag war unnötig!!!!

  4. Lieber Herr Hullen,

    Ja! Machen Sie es öffentlich! Das fände ich grossartig! Da Sie sich mit Ihren „Wewehchen“ anscheinend gut arrangieren konnten, helfen Sie doch bitte anderen die mit sich selbst boch nicht soweit sind und denen der noch der Mut fehlt! Den ersten Schritt dazu haben Sie ja hier schon zu gemacht – Sie sind „öffentlich geworden“! Weiter so! Wer Stärke und Lebensmut hat darf/sollte davon etwas abgeben! Dafür danke ich Powerfrauen wie Uta die mit Ihren Blogs Mut, Kraft und Lebensfreude schenken! Und Sie werden sehen – Sie kriegen am Ende auch etwas zurück geschenkt! :-) Ich wünsche Ihnen alles gute!

  5. Ein sehr guter Beitrag, den ich zum Glück nicht lesen durfte, aber nicht musste . Ein sehr schönes Foto, das mich berührt hat.

    Wenn ich Brustkrebs bekommen sollte, dann steht für mich schon im Vorfeld fest, wie ich vorgehen werde. Da ich keine Verantwortung mehr habe, werde ich mich gar nicht behandeln lassen, abgesehen von schmerzstillenden Medikamenten, denn ich wollte schon immer gerne sterben.

  6. Heute habe ich zufällig Ihr blog entdeckt. Meine Diagnose ist erst 5 Monate alt. Die OP kommt noch (nach vorheriger, gerade laufender Chemo); die Amputation einer Brust steht längst fest und ich mache mir Gedanken… In meinem post „Willkommen in Amazonien!“ — http://boeden.blogspot.de/ — habe ich versucht, meinen Zustand zu fassen, zu begreifen und eine Haltung zu finden, auszudrücken, zu teilen. (Wer wie Herr Hullen sich belästigt fühlt, sollte besser etwas anderes lesen!) – Die Amazonen kamen mir also auch in den Sinn, es gibt ja auch wenige mögliche Bezugsgrößen. Warum schreibe ich hier, also, weil ich froh bin, nicht die erste und einzige, nicht allein zu sein und weil es Mut macht, zu sehen, dass es eine (schöne) Zukunft gibt. Danke!

  7. Ich habe die Seite heute von einer guten Freundin empfohlen bekommen. Du machst mir Mut, danke Ute, habe mir sofort das Buch bestellt. Dass frau so sexy sein kann ohne Brust einfach toll. Auch finde ich gut, dass Du allen Frauen empfiehlst, sich bei der Entscheidung wie und ob der Brustaufbau stattfinden soll, Zeit lassen soll.
    Ich dachte, bisher, ich könne „komplett saniert“ sein, wenn ich hoffentlich Ede nächsten Jahres wieder arbeiten werde.

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