Acht Gründe, warum Handwerker Singlefrauen lieben

Ich wette, der Oberlogistiker meines Umzugsunternehmens hat sich selbst ein High-Five gegeben, als er meine Auftragsbestätigung auf dem Tisch hatte. Endlich wieder eine Singlefrau, die nichts allein gewuppt bekommt und für jedes Bohrloch bereitwillig zahlt, weil alternativlos …

Die ersten acht Umzüge meines Lebens hatte ich mit Eltern- und/oder Freundeskraft bewältigt. Mittlerweile ist der Hausstand aber zu umfangreich und meine Eltern sind zu betagt, als dass ich ihnen den Stress zumuten will. Und bei einer Wohnortverlagerung über mehrere hundert Kilometer gen Süden hat man am neuen Lebensmittelpunkt noch nicht ausreichend helfende Hände, die Sofa, Esstisch und Kartons schleppen. Also blieb nur die professionelle Hilfe. Aber Profis wissen eben auch, wem sie das Geld aus der Tasche ziehen können.


Frauen sind verständnisvoll

"Oh, ich habe diesen Regalboden falsch eingesetzt", sagt Umzugsmann Nummer 1, nachdem er das komplette Expedit stehen hat. Eine Macke, die beim richtigen Aufbau zur Wandseite zeigen würde und damit durch Bücher zu verdecken gewesen wäre, ist nun allerbestens in Szene gesetzt. Er guckt mich fragend an. "Das können Sie schon so lassen, aber dann sieht es halt scheiße aus", ist nicht die Antwort, die er hören wollte.

Frauen kochen Kaffee
Umzugsmann 2 schleppte währenddessen Karton um Kiste in die Wohnung. Erster Stock, ein paar Treppenstufen, nicht gerade eine sportliche Herausforderung. Aber er hatte es im Rücken und sagte zur Einleitung der dritten Zigarettenpause: "Mein Kaffee heute früh ist schon echt lang her." Ich hätte ihm auch gern einen gekocht, aber die Küchenkiste waren noch nicht in der Wohnung.

Frauen haben Mitleid
"Wir müssen noch einen Anhänger mitnehmen und daher einen Umweg fahren. Wir kommen nicht wie vereinbart um 8 Uhr, sondern um 9 Uhr." Mit diesen Worten verabschiedeten sich die Jungs in meiner alten Stadt von mir. Ich hatte Verständnis und beneidete sie nicht um die lange Fahrt mit dem Monstertruck. Als sie um 10.30 Uhr am Umzugstag immer noch nicht auftauchten, befürchtete ich, meine Möbel würden schon auf dem Weg zum Hehler sein und rief ihren Chef an. Zehn Minuten später klingelten sie an der Tür. Böse gucken konnte ich dennoch nicht.

Frauen haben kein Werkzeug
"Das ist jetzt echt dumm, ich habe mein Profi-Werkzeug nicht dabei, nur die B-Ausstattung", sagt Umzugsmann 1, als es an die Dübelarbeiten geht. Eigentlich sollten ein paar Regale, Haken und Bilder angebracht werden.
"Na, dann versuchen wir es mit dem, was da ist. Ich halte Ihnen auch den Staubsauger." Als der Bohrer statt in die Wand zu gehen quer durch den Raum fliegt, weil er nicht ordentlich festgezogen war, platzt mir der Kragen. Ich schmeiße die Jungs samt ihres Dilettantenwerkzeug raus. Ein Freund kommt am nächsten Tag vorbei, seitdem kann ich eine Laser-Wasserwaage bedienen, Lampen anschließen und einen Bohrer ordentlich festzurren.

Frauen lassen sich übers Ohr hauen
"Also, wenn Sie wollen, dass wir Ihnen die Küche aufbauen, müssen wir sie erst vermessen."
"Entschuldigung, es geht um drei Hängeschränke, und ich kann mit einem Zollstock umgehen."
"Machen wir aber nicht. Dann müssen Sie selbst aufbauen."
"Du weißt genau, dass ich einen Hängeschrank nicht allein aufbauen kann." Ich nutze das mir angebotene "Du" des schwedischen Möbelhaus nur zu gern.
"Dann müssen Sie hier mal unterschreiben."
Ich unterschreibe aus Ratlosigkeit und zahle 100 Euro dafür, dass ein Herr 20 Minuten meine neue Küche vermisst und ich jetzt 53 Seiten Küchenskizze besitze. Nur für den Fall, dass ich mal eine neue Küche einbauen lassen möchte.

Frauen lassen sich abzocken
Als die Küchenmonteure dann in nullkommanix die Hängeschränke an die Wand angebracht hatten, halten sie ihre Handwerkerpranken auf. Cash is king.
"Nee, Freunde. Mir wurde gesagt, dass ich mit Karte zahlen kann."
"Wir haben kein Gerät."
"Und ich kein Bargeld. Dann schicken Sie mir eine Rechnung."
"Können Sie nicht Geld holen?"
"Nein." Für wie bescheuert halten die mich eigentlich?
Wir einigen uns auf eine Online-Überweisung. Auf das Privatkonto von einem der beiden.

Frauen sind mit den Nerven schnell am Ende
Tag zwei in der neuen Wohnung. Ich komme auf die glorreiche Idee, die Kühlschranktür von "nach rechts öffnend" auf "nach links öffnend" umzuschrauben. Ein paar Handgriffe. Und hej … dass in der Anleitung steht, man benötige zwei Personen, muss man ja nicht so ernst nehmen. Nach eineinhalb Stunden sitze ich heulend auf den Küchenfliesen und verfluche meine Idee, überhaupt umzuziehen. Eine elementare Schraube ist am Gewinde beschädigt und mein mittelprächtiges Werkzeug verbessert die Situation nicht wirklich. Nach zweieinhalb Stunden sitzt die Tür fest. Für zwei Minuten. Dann plumpst sie mit einem lauten Scheppern auf den Boden. Rettung bringt auch hier oben erwähnter Freund. Richtiges Material, richtiges Werkzeug. Keine Tränen.

Frauen sind geduldig
"Wenn Sie den Termin am Samstag haben wollen, dann kann ich Ihnen nur das Zeitfenster von 8 bis 16 Uhr anbieten."
Ich frage den Herrn an der Telekom-Hotline drei Mal, ob ich ihn richtig verstanden habe. Der Handyempfang in meiner Wohnung sei so schlecht. Ja, habe ich. Also stehe ich am Samstag um 7 Uhr auf, traue mich nicht aus dem Haus. Besorge keine Spachtelmasse, keine neue Klobürste und verfrachte auch die Umzugskartons nicht in den Keller, um den Telekom-Techniker nicht zu verpassen. Er kam, um 15.35 Uhr. Kein Scherz.

Der Singlefrau kann man hier auf Twitter folgen.

Die Facebook-Seite der Singlefrau findet man hier.

17 Kommentare zu “Acht Gründe, warum Handwerker Singlefrauen lieben
  1. Hallo,

    kann ich als Frau so nicht bestätigen. Erstmal staune ich, dass in der zu verlassenden Stadt tatsächlich vom extrem großen Freundeskreis keiner fürs Helfen angefragt wurde. Aber sei es drum, ich ziehe auch immer mit einer Umzugsfirma um, weil ich das einfach nicht meinen Freunden zumuten möchte.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass die Handwerker bei der Singlefrau dicht gemacht haben, ist das nicht eine Frage des Auftretens? Klar, frau kann den Auftraggeber heraushängen lassen und alle wie Auftragnehmer behandeln.
    Frau kann aber auch zum Bäcker gehen, Kaffee für alle besorgen, wenn die Maschine noch verpackt ist. Frau kann freundlich sein, frau kann Bargeld bereithalten, frau kann auch Kumpel sein. Frau kann es aber auch lassen. Und dann schreibt man solche Blogs.
    Wo war eigentlich der Singlemann von Silvester?

    Caro

    • Liebe Caro, immer wieder erfrischend deine Kommentare … Ja, vermutlich wird mein extrem bossiges Auftreten die Handwerker verwirrt haben. Behalt gern das Bild, das du von mir hast und verstärke es beim wöchentlichen Lesen. Ich finde es herrlich, wie du immer etwas findest, was unschlüssig, unsympatisch, unzulänglich ist.
      Der Singlemann von Silvester trat erst nach dem Umzug in mein Leben. Hier ist nicht immer alles chronologisch erzählt, wie im Text erwähnt.

      Herzliche Grüße!

    • Ich gebe caro recht, habe es genau so empfunden. Wenn man sich so anstellt und benimmt, läuft es eben nicht. Das wundert mich nicht. Und man stellt mit diesem Benehmen vor allem kein Maß dar, von dem man allgemeine Schlüsse über Singlefrauen ableiten kann. Dafür ist „die Singlefrau“ mA nach irgendwie zu untypisch und für mich gesehen auch, sorry, ein ganzes Stück zu dusselig und gleichzeitig unsympathisch wie sie offenbar in solchen Situationen agiert. Wenn man unsympathisch agiert, muss man sich auch nicht wundern, wenn Leser etwas finden, was unsympathisch ist….

  2. Muss man nicht kommentieren.
    Einseitige diskriminierende Berichterstattung.Hätte sich mal ein Mann erlauben sollen. Dann wär das direkt mal wieder ein Skandal.

  3. Hey Lady

    Deinen Blog verfolge ich nun schon etwas länger und bei diesem Thema kann ich dann doch nicht an mich halten. Denn ich wäre ggf so ein Möbelpacker gewesen.
    Gehöre somit zur geschilderten Zunft der Handwerker.
    Mit ist es zumeist peinlich, wer von meinen Kollegen so alles das „Gerümpel“ anderer Leute spazieren trägt. Von Gut bis Böse ist alles dabei, die feine Kinderstube vermisse ich zumeist.
    Der Kaffee oder diverse Softdrinks beschleunigen die “Leichtigkeit“ der Aktion sicherlich, das Auftreten und auch der Umgang wird davon aber nicht besser. Die zumeist anliegende Freundlichkeit kann über das dilettantische Geschick wenig hinwegtrösten. Es wäre besser und professioneller seitens des Auftragnehmers, eine Leistung abzulehnen, als diese schlecht auszuführen.
    Klar sollte jedoch auch sein, das wirklich professionelle Leistung auch richtig Geld kostet.
    Alles andere könnte dann eher zur Glücksache werden. Verstehe das nicht als Hinweis, da ich keine weiteren Details zu Deinem Umzug vorliegen habe. but anyway, es war eine Erfahrung, was soll‘s.
    Einen guten Start für Dich
    Ralph

    • Also eine vierstellige, wenn auch niedrig, empfand ich schon als richtig Geld … Und es waren ja nicht nur die Umzugsjungs, sondern durch die Bank weg doch teils nette, teils merkwürdige Typen. Lieben Gruß!

  4. Hallo liebe Singlefrau,
    ich lese deinen Blog seit geraumer Zeit und jede Woche immer wieder gerne!!
    Häufig finde ich mich in den Beiträgen wieder, so wie auch in diesem. Bin gerade erst selbst 300 km von der Heimat weggezogen und schlage mich mit ähnlichen Themen herum…
    Viele Grüße & mach weiter so.
    Tina Lina

  5. Oooch, da gibt es wahrscheinlich nicht wenige Singlemänner in der gleichen Situation, die ebenfalls Ähnliches berichten können – und wehe, sie wirken dann noch homosexuell… Handwerker sind auch nicht alle doof, aber positiv überraschen lassen funktioniert meist nur mit in Luft aufgelösten Erwartungen – so tief können die gar nicht sein, um nicht doch enttäuscht zu werden.

    Trotzdem eigenartige Freunde, die da so eine arme Singlefrau allein umziehen lassen – oder was war jetzt genau Ihr Anliegen?

    • Hilfsangebote gab es genug. Aber mal eben so unter der Woche einen Umzug über hunderte Kilometer … Das kann und muss man nicht von Freunden erwarten. Zumal als es ans Kistenpacken ging, wollte ich auch allein packen, schon um nochmal auszusortieren. Liebe Grüße!

  6. die Autorin kennt wohl keine Handwerker im wahren Leben.Ich als mittlerweile alt Multiman kann ihr definitv sagen daß Handwerkers Liebling nicht die singlefrau ist.Die Mehrheit all der vielen Kollege in meinem Berufsleben arbeiten lieber für vergebene Frauen…;-)

  7. Hallo Singlefrau,

    du sprichst mir aus der Seele.
    Auch ich habe bei meinem letzten Umzug ein Unternehmen beauftragt.

    Nach der dritten Zigarettenpause innerhalb einer Stunde und meiner Bitte, ob man weitermachen könnte, da der Nachmieter schon fast in der Tür stand, wurde ich noch sexistisch angemacht.

    Der Kleiderschrank, den die Herren dann in der neuen Wohnung aufgebaut haben, ist mittlerweile „windschief“.

    Für die Tatsache, dass man mehrere hundert Euro bezahlt (bei einem Umzug über mehrere hundert Kilometer wahrscheinlich noch mehr), finde ich, dass ein professioneller und freundlicher Umgang mit dem Kunden klar sein sollte und man sich diesen nicht mit belegten Brötchen, Kaffee und Augenklimpern erzwingen muss.

    Grüße, Juli

  8. Wie sagt man so zutreffent: Zweimal umgezogen ist wie einmal abgebrannt. Die kleinen Umzugunternehmen beschäftigen durchgehent Diletanten und Leute mit Rücken. Die große, bekannten Firma übrigens auch.

  9. Sorry… gut geschmiert rutscht besser! Die Küchenkiste mit Kaffeemaschine und Keksen oder sogar Kuchen gehört ins Auto! Und als allererstes ausgepackt! Bei unseren Umzügen war der Kaffee fertig wenn „die Jungs“ auf den Hof fuhren! Und alles, wirklich alles haben die für uns/mich gemacht. Klar, gute Leistung kostet gutes Geld! Aber: mit freundlichem Empfang macht jede Arbeit mehr Spass… nach ein paar Stunden wurde ich freundlich „Chefin“ gerufen… also Gastfreundschaft erleichtert sogar Umzüge… Grüssle Kukelin

    • Aber ich habe doch gar kein Auto … Ich hatte alles bei den Jungs im Auto, nur mit Handgepäck mich in den Flieger gesetzt. Und natürlich bin ich irgendwann los und hab im Café die Straße runter Kaffee & Co geholt.

  10. Ich bin Elektromeister also kein Umzugsunternehmen aber eine Kundin hat die Arbeit abzunehmen und die Rechnungen , wenn keine Beanstandung ist ,diese auch zu bezahlen. Überweisung oder wenn vorher abgesprochen Bar gegen Quittung. Sie ist nicht die Kaffeekocherin oder die Semmeltante . Wasserflasche und was zu essen nimmt mal selber mit.So erwachsen und „Businessmäßig “ sollte man schon auftreten. Dann gibt es auch Trinkgeld in 2stelliger Höhe manchmal , aber wichtiger ist das die/ der Kunde/Kundin die Rechnung bezahlt. Wenn ich Leuten Geld gebe möchte ich auch das diese entsprechend arbeiten. Wenn ich solche Leute hätte würde ich mir wünschen das der Kunde mich anruft als Chef damit ich das auch weiß das meine Leute gerade rumgammeln .

  11. Liebe Singlefrau,

    ich verfolge Deine Beträge schon länger. Dies ist es aber das 1. Mal das ich auch etwas dazu betragen möchte.

    Ich habe persönlich schon beides erlebt:
    pro­fes­si­o­nell und ohne jeden Markel ausgeführte Arbeit (Umzug von ca. 600kM mit Umzugfirma, Möbelmontage usw.)
    oder
    getreu dem Motto: sie ist eine Frau und wird es nich merken!(nicht komplett durchgeführte Autoinspektion)

    Für den letzen Fall kann ich nur empfehlen vertraglich (also schriftlich) fest zu halten und von beiden Seiten gegen zeichnen zu lassen. Später das „i.O.“der aufgeführten Arbeiten gegen zeichen.
    Hält sich die Gegenseite nicht daran, einfach mal die Worte „Anwalt“ oder „Rechtschutzversicherung “ fallen lassen oder „Freund der Jura
    studiert“… hilft bei ca. 90% aller Fälle…für die restlichen 10%: unbedingt eine Rechtschutzversicherung abschliessen!
    Und ich habe nie Mitleid mit einem Handwerker……ich bezahle doch für die Ausführung der Arbeit.
    Im Fall des Umzugs wurden die Möbelpacker von mir mit belegten Brötchen belohnt…leider konnte ich ihnen keinen Kaffee anbieten (Kaffeemaschiene war noch im Umzugskarton) :[

    Liebe Grüsse aus der badischen Pro­vinz

    Carmen

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